Besuch in der Biosphäre in Potsdam : Ein bisschen Gartencenter, ein bisschen Baumarkt

In unserer Kolumne "Wie ein Vater die Stadt erleben kann" geht es diesmal in die Biosphäre nach Potsdam. Ein Besuch der Tropenhalle ist teuer - und trotzdem machen die Betreiber Verlust. Unser Autor ahnt, warum.

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Grüner wird's nicht. Die Biosphäre wurde zur Bundesgartenschau 2001 eröffnet. Außer den Tropenpflanzen gibt es auch ein paar exotische Tiere zu sehen.
Grüner wird's nicht. Die Biosphäre wurde zur Bundesgartenschau 2001 eröffnet. Außer den Tropenpflanzen gibt es auch ein paar...Foto: dpa

Höchste Zeit, mit dem Kind mal wieder ins Grüne zu fahren! Nur wohin, wenn draußen nichts grünt? Uns fiel die Biosphäre in Potsdam ein, jenes Überbleibsel der Bundesgartenschau von 2001, in dem laut Betreiber „Urlaubsstimmung an 365 Tagen im Jahr“ herrscht. Das wollten wir, zumal die Halle ja verkauft oder umfunktioniert werden soll. „Wir fahren in den Dschungel“, kündigten wir mutig an, und Lina freute sich auf wilde Tiere und verschlungene Pfade.

Doch zum Gesetz des Dschungels gehört die Wegelagerei. 27,50 Euro plus zwei für die Garderobe kosten zwei Eltern mit einem dreijährigen Kind. Dass man mit Dauerkarte von BVG oder S-Bahn Ermäßigung bekommt, muss man wissen, denn verraten wird es an Ort und Stelle nicht.

Der Weg durch die Wildnis ist schmal, aber betoniert. Wir liefen an einem Teich mit dicken Fischen und hysterischen Enten vorbei, in den sich ein Wasserfall ergoss. In Terrarien rollten Urtiere mit ihren gepanzerten Augen. Dann war Stau, weil sich Menschen und Kinderwagen verkeilt hatten. Eine Frau bekam einen platschenden Vogelschiss auf die Jacke.

So authentisch blieb der Dschungel aber leider nicht. Am Schmetterlingshaus gab es Gemecker, weil Besucher die Schleuse nicht schnell genug passierten. Vielleicht waren durch die Schleuse in den Tagen davor schon mehrere Exemplare entfleucht, weil dschungelunerfahrene Besucher beide Türen gleichzeitig geöffnet hatten. Vielleicht war sogar der Vogelschiss ein verdauter Schmetterling, der nun auf der Inventarliste fehlt und potenziellen Investoren als Dumpingargument dient.

Zum Schluss gab’s noch einen rumpligen „Flug“ in einer Kabine mit Tropenwald-Projektion, die dem Blick vom Müggelturm mit vergessener Brille ähnelte. Wir fühlten uns inspiriert, als wären wir nacheinander im Gartencenter und in der Kleintierabteilung im Baumarkt gewesen. Lina gefiel vor allem der Holztiger am Wegesrand. Jetzt freuen wir uns auf draußen.

Wer hin will: www.biosphaere-potsdam.de. Wer lieber rausgeht: Im Britzer Garten (Tulipan ab Mitte April!) gibt’s mehr Blumen für weniger Geld.

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