Besuch von Obama in Berlin : Präsidentensuite am Potsdamer Platz

Die Familie von US-Präsident Barack Obama logiert während ihres Berlin-Besuchs im Ritz Carlton – mit Kamin, Sauna und Sternenteleskop. Auch andere Gäste haben dort ein Zimmer bekommen.

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Berlin ist wegen des Besuchs der Obamas für zwei Tage in Aufruhr. Die Familie logiert in der Zeit im Ritz Carlton am Potsdamer Platz - und dort herrschen für zwei Tage verschärfte Sicherheitsvorkehrungen.
Berlin ist wegen des Besuchs der Obamas für zwei Tage in Aufruhr. Die Familie logiert in der Zeit im Ritz Carlton am Potsdamer...Foto: dpa

Die „Ritz Carlton Suite“ ist nicht jedermanns Geschmack. Opulent, plüschig, fast barock. Immerhin bieten die 204 Quadratmeter Platz für Ankleide- und Arbeitszimmer, eine Sauna und einen wirklich großzügigen Wohn- und Esszimmerbereich mit Kamin und Panorama-Aussicht auf das Sony Center, den Tiergarten und den Potsdamer Platz. Schade eigentlich, dass Familie Obama nur für eine Nacht gebucht hat.

Die Präsidentensuite im elften Stock kostet regulär 5000 Euro die Nacht, zu besonderen Events wie Silvester oder einer Fußball-WM kann es auch mal das Doppelte sein. Die Suite ist bedeutend kleiner als das Ritz Carlton Appartement mit 285 Quadratmetern. Dieses hat aber auch nicht den gleichen Sicherheitsstandard. Das Thema Sicherheit ist wie immer top secret, aber weil sich die Firstclasshotels in Berlin einen harten Wettbewerb um die höchsten Staatsgäste liefern, ist Sicherheit auch ein wichtiges Werbeargument. Die klassische Präsidentenherberge Interconti gibt sich hier auffallend transparent: „Projektilsichere Fensterscheiben, Türen und Wände zum Flur mit Stahlplatten verstärkt, separate Telefonanlage für höchstmögliche Abhörsicherheit, separate Klimaanlage mit geschlossenem Kreislauf, interne Videoüberwachung des Eingangs, Bodyguard Room in der Suite, kein Gebäude gegenüber der Präsidenten-Suite“. Das ist wahrscheinlich nur die Security-Grundausstattung.

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Im Ritz Carlton wohnen die Bodyguards offenbar außerhalb der Suite. Das Hotel hat in den obersten Etagen einen autarken VIP-Bereich eingerichtet. Nur wer eine „Clubkarte“ besitzt, hat hier Zugang. 40 Suiten befinden sich im VIP-Bereich. Beim Einchecken gibt es ein Glas Champagner in die Hand. Ein Conciergeteam kümmert sich um alle Wünsche. Wer kurz ins KaDeWe möchte, steigt in den hauseigenen Bentley, mit oder ohne Chauffeur. Für Clubgäste gibt es aber keinen zwingenden Grund, den VIP-Bereich zu verlassen.

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Obama in Berlin - Sperrungen überall

Fünf Fünfsternehotels bieten in Berlin derzeit Präsidentensuiten an: Ritz Carlton, Interconti, Bristol, Adlon und das neue Waldorf Astoria in der City West. Letztere bietet die höchstgelegene Suite; sie nimmt das gesamte 31. Stockwerk ein. Für sensible Gäste wird in der 285-Quadratmeter-Wohnung angeblich ein „Panic Room“ vorgehalten. Mit 514 Quadratmetern, verteilt über zwei Stockwerke, ist die Suite im Bristol am Ku’damm mit Abstand die größte. Warum sich Obama und seine Sicherheitsberater für das Ritz entschieden haben, bleibt unklar.

Das Hotel ist derzeit nach eigenen Angaben komplett ausgebucht. Auch „normale Gäste“ hätten Zimmer bekommen, sagt Sprecherin Julia Herchenbach. Unter diesen normalen Gästen befinden sich natürlich viele Journalisten. Die Gäste könnten sich normal im Hotel bewegen, müssten aber auf kurzfristige Sperrungen einzelner Bereiche gefasst sein: Fitnessstudio, Swimmingpool oder das Restaurant Desbrosses, eine „authentische französische Brasserie aus dem Jahr 1875“.

Zur Ausstattung der Obama-Suite gehören „Federbetten“, ein ovaler Esstisch, ovale Badewanne, „kostenloses Mineralwasser“ und Satellitenfernsehen. Also nichts, was es im Weißen Haus nicht auch gäbe. Nachhaltigen Eindruck dürfte aber zumindest bei den Töchtern Malia, 14, und Sasha, 11, das Teleskop zur Sternenbeobachtung hinterlassen.

Einen Tag vor dem Großereignis tummeln sich Limousinen, Taxen und türaufhaltende Pagen vor dem Ritz-Entrée. Gäste gehen ein und aus. Doch je näher man gen Eingang schreitet, desto auffälliger wird, wie viele wichtig ausschauende Herren in schwarzen Anzügen jeden Gast vom Scheitel bis zur Sohle mustern. In der Lobby warten gleich ein Dutzend Mitarbeiter auf den eintreffenden Gast. Niemand kommt ohne Kurzinterview an ihnen vorbei. „Wie kann ich Ihnen helfen?“ Anspannung liegt hier in der Luft. An der Bar angekommen, ist die Lage ruhiger. Den Kaffee für sechs Euro gibt’s noch für jedermann.

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