Berlin : Beten für Papst Benedikt

Berliner Katholiken beklagen Rücktritt.

Der Papst tritt zurück? Muss ein Scherz sein. Das dachten wohl viele Menschen an diesem denkwürdigen Montag. Das dachte auch Prälat Tobias Przytarski, der Generalvikar des Berliner Erzbistums.

Es ist kurz nach 18 Uhr am Montagabend, Przytarski steht am Altar der St.- Hedwigs-Kathedrale und spricht davon, wie es ihm an diesem Tag gegangen ist. 150 Menschen sind zu dem spontan einberufenen Fürbitt-Gottesdienst gekommen: Ein Diakon aus Potsdam mit einer Jugendgruppe, Männer und Frauen nach ihrem Arbeitstag, Nonnen, Priester. „Schade, dass er zurücktritt“, sagt ein Philosphiestudent, der Benedikt besonders wegen seiner theologisch-philosophischen Gelehrsamkeit schätzt. Ein junges Paar mit Kinderwagen trauert um den Papst, weil er sich „in bester Weise in die Tradition der Kirche gestellt hat“.

„Kann man die Schlüssel des Himmelreichs zurückgeben?“, fragt Generalvikar Przytarski in seiner Predigt. Jesus habe Petrus einst gefragt, ob er ihn liebe. Als Petrus das bestätigte, habe er ihm aufgetragen: „Weide meine Schafe!“ Die Liebe zum Herrn, führt Przytarski aus, könne aber auch darin bestehen, den Hirtenauftrag zurückzugeben, wenn er nicht mehr angemessen erfüllt werden kann. „Vielleicht kann das manchmal sogar die größere Liebe sein.“

Kardinal Rainer Maria Woelki war am Montag noch in einem Kurzurlaub außerhalb Berlins und ließ über seinen Sprecher mitteilen, dass er den Rücktritt deute als ein „Zeichen von Demut und Sorge des Papstes um die ihm anvertraute Kirche“. Den spontanten Gottesdienst leitete der Generalvikar. Lesungen, Messgesänge, Psalmen und Gebete waren eigens für den Anlass ausgesucht worden und erinnerten daran, wie die katholische Kirche das Amt des Papstes begründet. Sie rankten sich um die biblische Szene, in der Jesus den Petrus zu seinem Felsen erwählt, auf den er seine Kirche bauen will.

„Hören Sie nicht auf, für den Papst zu beten“, appellierte Przytarski beim Abschied an die Gläubigen. Das werde sie bestimmt tun, sagte eine junge Frau draußen auf den Treppen der Kathedrale. Um die Kirche müsse sich aber niemand sorgen. „Die wird Bestand haben.“ clk

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