Berlin : Bethanien: Disharmonie in der Musikschule

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Während das scheidende Kreuzberger Bezirksamt sich am Mittwochabend mit Jazzmusik feierte, erklang im Foyer des Rathauses der Trauermarsch von Franz Schubert. "Wir wollen Bussewitz", verkündeten Plakate; und: "Ein verfahrenes Verfahren". Mit Posaunen und Trompeten protestierten rund 250 Musikschüler und -lehrer der Kreuzberger Musikschule im Bethanien am Mariannenplatz dagegen, dass der Leiter der Schule, Volkmar Bussewitz, seinen Posten in der fusionierten Musikschule Friedrichshain-Kreuzberg verliert. Bei einem Auswahlverfahren siegte seine Friedrichshainer Kollegin Ina Finger.

"Bussewitz ist ein sehr erfolgreicher, motivierender Leiter", sagt Gerhard Scherer, der in Kreuzberg den Fachbereich Tasteninstrumente leitet. Die Schule hat 140 Lehrer und 3000 Schüler. "Er hat das Haus zu einer der führenden Musikschulen der Stadt gemacht", urteilt Elternvertreterin Silvia Colitti Woller, deren Söhne Geige und Akkordeon lernen. So habe Bussewitz, der die Stelle seit einem Jahr innehat und die Schule seit 1994 stellvertretend leitet, in diesem Jahr die erste Sommeroper im Görlitzer Park organisiert, den Haushalt konsolidiert und die studienvorbereitende Abteilung reformiert.

Doch beim ebenfalls im Sommer stattfindenden Auswahlgespräch, einem Teil des für die Besetzung von Spitzenposten angewandten Assessment-Bewerberverfahrens, unterlag er. Vier Bewerber gab es für den Posten. Eltern und Lehrer kritisieren das Verfahren als in diesem Fall nicht fair, weil Bussewitz zu der Zeit sehr viel mit der Sommeroper zu tun hatte und nicht ausreichend informiert gewesen sei. Außerdem habe Ina Finger die von Kreuzberg geforderte Erhöhung der Honorarmittel um 200 000 Mark gegenüber dem Amt abgelehnt.

Die Protestierenden befürchten nun Wartezeiten von bis zu einem Jahr für künftige Musikschüler, weil nicht genug über Honorare bezahlte Lehrer zur Verfügung stünden. Konkurrentin Finger widerspricht: "Das Verfahren war sehr fair." Das Geld habe sie nur abgelehnt, weil sie es "haushaltsrechtlich nicht verantworten" könne. Denn die Bewilligung wäre an eine Einnahmeerwartung von 120 000 Mark gekoppelt gewesen. "Wenn ich so viel erwirtschaften könnte, wären wir längst privatisiert", sagt Finger. Sie verweist auf die alarmierende finanzielle Situation beider Bezirke: Friedrichshain und Kreuzberg hätten im Jahr 2001 fünf Millionen Mark zu wenig für Personalmittel. "Ehe man irgendetwas erhöht, muss das erstmal eingespart werden", findet Finger. An ihrer Schule in der Zellestraße werden 900 Schüler von 60 Lehrern musikalisch gebildet.

Wer nun am 1. Januar 2001 Leiter der gemeinsamen Musikschule wird, ist ungewiss: Bussewitz hat eine einstweilige Verfügung beim Bezirksamt eingereicht. Bis die Rechtmäßigkeit des Verfahrens geprüft ist, liegt die Stellenbesetzung auf Eis. "Mir wurde signalisiert, dass ich erstmal kommissarisch leiten soll", sagt Finger.

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