Berlin : Betreiber streitet um dauerhaften Liegeplatz

Steffi Bey

Die Zukunft von Europas erster und Berlins bislang einziger Solarboot- Tankstelle ist weiterhin unklar. Eigentlich sollte der Pavillon, der seit vier Jahren neben dem Strandbad Wendenschloss im Langen See schwimmt, schon 1999 am Frauentog, gegenüber dem Köpenicker Schloss also, fest machen: Zwar nur vorübergehend, aber immerhin für zwei Jahre. Danach hätte die 144 Quadratmeter große Steganlage mit acht Ladesäulen und 16 Solarbooten, an einem Grundstück an der Lindenstraße 45 vor Anker gehen sollen. "So hat es mir jedenfalls das Bezirksamt zugesichert", sagt Holger Kaselow, Geschäftsführer der Firma Metallbau und Solarkatamaran (MSK). Der 42-Jährige entwickelte die Anlage und hat sie auch bis zur Stillegung vor zwei Jahren betrieben. Doch aus den Umzugsplänen wurde bisher nichts. Kaselow macht für die Verzögerung sowohl den Bezirk als auch den Senat verantwortlich. Aufgrund monatelanger Diskussionen über Wasser- und Stromanschlüsse für den Pavillon und eine zögerliche Bearbeitung seiner Anträge, sei schließlich die Saison 1999 ins Wasser gefallen.

Auch dem bevorstehenden Sommer sieht der Köpenicker skeptisch entgegen. Zurzeit liegt ihm nur die befristete Genehmigung für den Betrieb in diesem Jahr am Frauentog vor. Was dann aus dem Pavillon wird, weiß er nicht. "Ich brauche eine langfristige Standortzusage bis zum Jahre 2014", betont Kaselow. Denn erst zu diesem Zeitpunkt ist auf der Grundlage eines Vertrages von 1994 der Kredit an die Bank zurückgezahlt. Ob die Solartankstelle dann dauerhaft an der Lindenstraße fest macht oder an einem anderen Grundstück in Köpenick, ist dem Ingenieur eigentlich egal. "Es muss aber ein zentraler Platz sein, möglichst nahe der Altstadt, der auch von Touristen angenommen wird."

Mit weit außerhalb liegenden Liegeplätzen wie dem jetzigen in Wendenschloss, hat Kaselow schlechte Erfahrungen gemacht. Kaum jemand verirrte sich zum Pavillon und die Solarboote blieben meistens im "Hafen". Das lag zum anderen aber auch an der bis 1998 in Berlin gültigen Fahrerlaubnispflicht für Sportboote mit einer Antriebsleistung unter fünf PS. Zumindest diese Führerscheinhürde ist inzwischen genommen: Seit Juni vergangenen Jahres dürfen auf den meisten Berliner Gewässern Sportboote mit geringer Leistung, zu denen die Solarboote gehören, ohne einen speziellen Nachweis fahren.

Baustadtrat Oliver Scholz (CDU) bestätigt, dass dem Solarpavillon-Betreiber die Genehmigung für ein Jahr am Frauentog vorliegt. Das Bezirksamt sei auf der Suche nach einem Dauer-Liegeplatz. Diese "Absichtserklärung" habe Kaselow schriftlich vorliegen. Schon vor Monaten hat der MSK-Geschäftsführer allerdings rechtliche Schritte wegen der noch ausstehenden dauerhaften Standortgenehmigung eingeleitet. Er begründet das mit der "immer größer werdenden Vermögensentwertung des ungenutzten Pavillons".

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