Betreuung für die Kleinen : Krippenkinder müssen in die Warteschleife

In Berlin werden Kitaplätze für unter Dreijährige knapp. Der Senat will Abhilfe schaffen, doch die Nachfrage wächst schnell. In Friedrichshain–Kreuzberg haben es Eltern oft schwer, einen Platz für ihr Kind zu finden.

von und Nadine Kuhn
In der Hauptstadt gibt es 116 730 Kitaplätze und 152 126 Kinder unter sechs Jahren
In der Hauptstadt gibt es 116 730 Kitaplätze und 152 126 Kinder unter sechs JahrenFoto: ddp

In Berlin werden die Krippenplätze knapp. Immer mehr Eltern werden auf eine Warteliste verwiesen, so ergeht es derzeit auch dem Bundespräsidenten und Vater Christian Wulff. Der Senat sei dabei, Abhilfe zu schaffen, versprach gestern Staatssekretärin Claudia Zinke im Bildungsausschuss. Noch in diesem Jahr würden allein in Friedrichshain-Kreuzberg 300 zusätzliche Plätze für Kinder eingerichtet, die jünger als drei Jahre alt sind. In anderen Bezirken sollen 240 neue Plätze entstehen. „Es gibt derzeit Engpässe wegen einer regen Bautätigkeit an den Kitas.“ Insgesamt sei der Versorgungsgrad mit Kita-Plätzen in Berlin im Vergleich zu anderen Bundesländern „sehr gut“. In der Hauptstadt gibt es 116 730 Kitaplätze und 152 126 Kinder unter sechs Jahren. In der Altersgruppe der unter 3-Jährigen sind 43 Prozent mit einem Kitaplatz versorgt.

In Friedrichshain–Kreuzberg haben es Eltern oft schwer, einen Platz für ihr Kind zu ergattern. Nach Angaben von Bezirksstadträtin Monika Herrmann (Grüne) fehlen mit der Einführung der beitragsfreien Kinderbetreuung für drei Kitajahre ab 2011 fast 600 Plätze. Auch in Tempelhof-Schöneberg und Steglitz-Zehlendorf gibt es eine „kleine Not“, sagt Martina Castello vom Kita-Eigenbetrieb Süd-West. „Wir verzeichnen einen sprunghaften Anstieg von Kindern unter drei Jahren.“ Nach Ende der Elternzeit würden die Kinder in die Krippe gegeben, also nach 12 oder 14 Monaten. „In einer Kita am Wannsee stehen 100 Kinder auf der Warteliste.“ Viele Eltern möchten sofort in den Beruf zurückkehren und bevorzugen Kitas, die besonders lange Öffnungszeiten haben. Ein Ausweichen auf benachbarte Kitas kommt dann kaum infrage.

In Friedrichshain-Kreuzberg seien im vergangenen Jahr bereits 1000 neue Plätze geschaffen worden, sagt Stadträtin Herrmann. Gegenwärtig sind zwei Kitas im Bau, an der Frankfurter Allee in Friedrichshain und in der Kreuzberger Wilhelmstraße, mit jeweils 150 Plätzen. Der Zuzug von Familien habe vor allem mit der zunehmenden Wohnattraktivität des Bezirks zu tun. Insbesondere junge Akademiker, die am Anfang ihrer Berufslaufbahn stehen, gründeten hier Familien. Für Herrmann ein Indiz dafür, dass das Elterngeld seine Wirkung zeigt. „In einigen Gegenden geht der Trend sogar zum Drittkind.“ Eigentlich ein Grund zur Freude, wenn nicht die Mängel in der Infrastruktur für Familien so alarmierend wären. „Ich habe den Eindruck, dass der Senat dieses Problem noch nicht verstanden hat“, sagt Herrmann. Denn nicht nur Kita-Plätze würden fehlen, sondern auch genügend Jugendeinrichtungen, Schulen und Spielplätze. „Wir machen bei Migrantenfamilien in Brennpunktkiezen schließlich Werbung, die Kinder noch früher in die Kita zu geben.“

Wer sich nicht schon vor der Geburt auf eine Warteliste gesetzt hat, findet nur schwer einen Platz. Viele Eltern weichen aus diesem Grund auf Elterninitiativen oder Tagesmütter aus. Aber auch hier ist die Zahl begrenzt. Friedrichshain hatte im letzten Jahr massiv um Tagesmütter geworben. 30 Plätze konnten dadurch im letzten Jahr gewonnen werden. Doch nun gibt es kaum noch Tagesmütter, die Kinder aufnehmen können. In vielen Erdgeschosswohnungen haben sich Elterninitiativ-Kitas gegründet, doch neue Projekte scheitern an fehlenden Räumen.

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