Betriebsausflug : S-Bahn-Pressestelle vom Pech verfolgt

Die Pressestelle der Berliner S-Bahn hatte sich ein schlechtes Datum für ihren Betriebsausflug gewählt. Es war der Tag, an dem das gesamte Netz zusammenbrach.

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Die S-Bahn steht still, aus ganz Deutschland rufen Journalisten an, um sich den Super-Gau im Nahverkehr der Hauptstadt erklären zu lassen – und die für Auskünfte zuständige Pressestelle der Bahn ist unterwegs auf einer "Adventspressefahrt". Ein solches Szenario ist ein Albtraum für die Mitarbeiter – am Donnerstag war es das richtige Leben. Die Pressestelle war auf Reisen, um Journalisten zu zeigen, was die Bahn bisher in die Sanierung der Ostbahn von Berlin nach Küstrin gesteckt hat (allein für den Abschnitt zwischen Rehfelde und Küstrin-Kietz waren es über 40 Millionen Euro).

Besichtigen konnten die Mitarbeiter der Pressestelle den Fortschritt aber nicht. Für die Bahner war bereits in Müncheberg Schluss, nachdem gegen 11.45 Uhr die Nachricht zum S-Bahn-Chaos eingetroffen war. Flugs wurde ein Taxi für die Rückfahrt nach Berlin organisiert, das aber zunächst auch auf sich warten ließ. Hunderte von Gesprächen seien von den Mitarbeitern bereits unterwegs geführt worden, sagte einer. Informationen weiterzugeben sei zunächst schwierig gewesen, weil auch die Verbindungen zu Ansprechpartnern in der Verwaltung überlastet gewesen seien. Gegen 14 Uhr waren die Büros erreicht, wo nach Angaben eines Sprechers so viele Anfragen beantwortet werden mussten wie noch nie zuvor an einem Tag. Sogar ein krank zu Hause gebliebener Mitarbeiter habe von dort Verkehrsmeldungen bearbeitet.

Dass bei solchen Fahrten, auf denen die Bahn regelmäßig ihr Innenleben zeigt, etwas schief geht, ist für die Berliner Pressestelle nicht neu. Tatsächlich gilt es schon fast als ungeschriebenes Gesetz: Geht die Pressestelle auf Tour, ist das Chaos programmiert. Bei einem Ausflug entgleiste in Berlin ein Zug, bei einem anderen riss eine Oberleitung ab. Beim nächsten Mal fielen Züge aus, weil Kabel gestohlen wurden, dann wieder legte ein Sturm den Verkehr lahm. Alles schon dagewesen. Die Fragen der Öffentlichkeit beantworteten die Mitarbeiter jedes Mal aus der Ferne.

Am vergangenen Donnerstag war es das erste Mal, dass sie vorzeitig zurückkehren mussten.

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