Berlin : Betriebsräte kritisieren Vivantes

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Die derzeit diskutierte Privatisierung von Berliner Krankenhäusern stößt bei Betriebsräten der städtischen Vivantes-GmbH auf scharfe Kritik. Auf einer Podiumsdiskussion unter dem Thema „Gesundheit ist keine Ware“, meinten Arbeitnehmervertreter der Krankenhäuser Reinickendorf und Neukölln, dass dies zu einer Verschlechterung der Patientenversorgung in der Stadt führen werde. Einen Mangel an ausgebildeten Pflegern prophezeite Moritz Naujack, Betriebsratsvorsitzender im Krankenhaus Reinickendorf. Die städtischen Krankenhäuser seien einige der wenigen Ausbilder für Pflegeberufe in Berlin. „Durch den starken Kostendruck werden Ausbildungsplätze vernichtet, denn Ausbildung kostet Geld.“ Im Jahr 2004 sei mit 600 Ausbildungsplätzen nur noch knapp die Hälfte von 2001 (1169) vorgesehen.

Selbst die Qualität der Lehre werde abgesenkt. Statt der dreijährigen Ausbildung von Pflegekräften, die alle Pflegeaufgaben übernehmen könnten, gehe der Trend nun zu einer einjährigen Ausbildung von „Krankenpflegehelfern“, die nur eine spezielle Funktion abdecken. Sollte Vivantes an private Investoren verkauft werden, dann sei das für die Patienten nachteilig, sagte Hagen Kühn, Gesundheitsökonom am Berliner Wissenschaftszentrum. „Private Krankenhäuser müssen Gewinn machen, und dieses Geld geht der Krankenversorgung verloren.“ Das Ergebnis einer solchen Strategie wäre ein Ausleseprozess in zahlungskräftige und arme Patienten wie in den USA.

Auch der Einfluss der Öffentlichkeit sei bei Privaten nur gering. Man könne sie nur schwer von patientenfeindlichen Entscheidungen abbringen, sagte Konstantin Leinhos, Patient der HIV-Tagesklinik des Krankenhauses Prenzlauer Berg. Diese sollte zum Ende vorigen Jahres geschlossen werden. Doch nach Protesten machte der Senat diese Entscheidung rückgängig. „Wenn Vivantes schon privatisiert gewesen wäre, hätten unsere Proteste wohl nichts gebracht.“I.B.

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