• Betroffene Wohnungen sind wochenlang gesperrt - Die Anwohner sind über das Prestigeprojekt "Weddinger Höfe" empört

Berlin : Betroffene Wohnungen sind wochenlang gesperrt - Die Anwohner sind über das Prestigeprojekt "Weddinger Höfe" empört

Klaus Wieking

Bei der Sanierung der "Weddinger Höfe" in der Osloer Straße sind bei Erdarbeiten die Fundamente von Nachbarhäusern beschädigt worden. Teile der Mietshäuser mußten zeitweise baupolizeilich gesperrt werden. An dem ambitionierten Projekt, das eigentlich schon im vergangenen Sommer abgeschlossen sein sollte, wird seit zweieinhalb Jahren gebaut. Viel Anwohner sind von Baulärm und Dreck entnervt.

Die Sanierung der denkmalgeschützten "Wedding Höfe" in der Osloer Straße 116, die mit ihren Klinkerfassaden an die ungleich bekannteren Hackeschen Höfe erinnern, ist für Wedding ein Prestige-Projekt. Zwischen 70 und 90 Millionen Mark will Kemal Degirmenci, einer der bekanntesten türkischstämmigen Unternehmer Berlins, in die drei Hinterhöfe investieren. Entstehen sollen unter anderem das 4-Sterne-Hotel "Christiania" mit 140 Betten, Gastronomie, Fitnesshallen und rund 30 Läden. 400 Arbeitskräfte sollen in dem Gründerzeit-Ensemble laut einer Mitteilung des Bauherrn einmal arbeiten. Davon ist bisher noch nichts zu spüren; ein Jahr nach der für Mai 1999 angekündigten Eröffnung sind die "Weddinger Höfe" immer noch eine Baustelle. Das bekamen jetzt auch Bewohner der angrenzenden Bellermannstraße zu spüren. Bei Erdarbeiten für die geplante Tiefgarage mit 200 Parkplätzen wurden die Fundamente von drei Häusern beschädigt, knapp 14 Tage lang durften Mieter ihre Wohnung nicht betreten. "Es gab Risse in den Wohnungen", berichtet Gerhard Ganswind, Pfarrer der katholischen St. Petrus-Gemeinde, der das Haus Bellermannstraße 92 gehört. "Die Leute hatten Angst." Auch ihren Saal konnte die Gemeinde bis zur Aufhebung der baupolizeilichen Sperrung Mitte vergangener Woche nicht nutzen. Der angerichtete Schaden ist noch nicht absehbar. "Wir wissen nicht, was auf uns noch zukommt", sagt Pfarrer Ganswind.

Genervt von dem Bauprojekt ist jedoch nicht nur der katholische Geistliche, auch andere Anwohner beschweren sich über die Bauarbeiten. Seit zweieinhalb Jahren lebe man mit Lärm und Dreck, schimpft Werner Schrepkowski. Auch an Sonnabenden werde bis 20 Uhr gearbeitet, berichtet er. Beschwerden bei der Polizei und beim Bezirksamt bringen seiner Erfahrung nach nichts. "Die werden als Bagatellen abgetan."

Tatsächlich treffen die Anwohner mit ihren Klagen beim Bauherrn auf wenig Verständis. Die Beschwerden über zuviel Baulärm seien Quatsch, meint Kemal Degirmenci. Bisher sei man vor allem mit den Innenausbauten beschäftigt gewesen. Auch die Beschädigungen an den Nachbarhäusern sind seiner Meinung nach gering. Ein Haarriss habe es an den Fassaden gegeben, meint Degirmenci. Der Schaden betrüge keine 10 000 Mark. Die Verzögerung bei seinem Bauprojekt führt er auf Auseinandersetzungen mit der Verwaltung zurück.

"Wir hatten Probleme mit dem Denkmalschutz. Das hat ein Jahr gedauert." Gelassen sieht auch Baustadtrat Bernd Schimmler (SPD) die Probleme bei dem Bauprojekt. Einige Firmen hätten sich beim Bau der Tiefgarage nicht an die Regeln gehalten. Inzwischen sei der Schaden behoben, die Statik der Nachbarhäuser sei nicht beeinträchtigt. Den Vorwurf der Untätigkeit der Behörden weist er zurück. "Wir haben ein Auge auf diese Baustelle." Im Juni sollen die "Weddinger Höfe" eröffnet werden.

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