Betrügerin vor Gericht : Täterin wendete den Enkeltrick an

Eine 27-Jährige steht jetzt als Mitglied einer Bande vor Gericht. Sie soll rund 168 000 Euro bei Opfern abgeholt haben.

Banken warnen mit Plakaten vor den «falschen Enkeln».
Banken warnen mit Plakaten vor den «falschen Enkeln».Foto: Horst Ossinger/dpa

Ein unerwarteter Anruf, der mit einer Frage beginnt: „Nun rate mal, wer hier ist?“ Moralischer Druck von Anfang an – „Du erkennst mich nicht?“ Je nach Antwort gibt sich der Täter am Telefon als Enkel, Neffe oder Bekannter aus und kommt auf eine angebliche Notlage zu sprechen. Auch eine 81-jährige Frau aus Staaken wurde Opfer der perfiden Masche. Mit 11 000 Euro wollte sie helfen. Ein Bankangestellter aber wurde misstrauisch. Überrascht wurde kurz darauf eine mutmaßliche Täterin. Wegen Enkeltrickbetrugs steht die 27-Jährige seit Montag vor Gericht.

Die Anklage geht davon aus, dass Alexis L. für eine europaweit agierende Bande gearbeitet haben soll. Sie sei als „Läuferin“ eingesetzt worden und habe Beute abgeholt, die andere Komplizen den Geschädigten zuvor in Telefongesprächen abgeschwatzt hatten. Drei Fälle des Betrugs werden ihr zur Last gelegt. Bei einem 76-Jährigen aus Rudow soll sie Geld, Gold und Schmuck im Wert von 148 000 Euro abgeholt haben. Ihre Lüge: „Das soll ich zum Notar bringen.“ Der hilfsbereite und gutgläubige Rentner wurde bis zum letzten Cent ausgeplündert.

Die Opfer werden willkürlich aus dem Telefonbuch ausgesucht

Alexis L. soll von April bis Juli 2016 insgesamt 168 000 Euro Beute für die Bande „eingesammelt“ und weitergegeben haben. Die Hintermänner sitzen vermutlich im Ausland. Ermittler sagen, beim „Enkeltrick“ habe man es mit organisierten Gruppen zu tun. „Die Anrufe werden vom Ausland – vor allem Osteuropa – aus getätigt.“ Aus dem Telefonbuch werden Opfer gesucht - nach Vornamen, die altertümlich wirken und auf Senioren deuten. Wird ein Opfer am Telefon mit viel Druck übertölpelt, werden „Abholer“ losgeschickt.

Die 81-Jährige aus Staaken glaubte, sie würde ihrem Sohn mit 11 000 Euro beim Wohnungskauf helfen. Weil die Bank aber die Polizei rief, habe Alexis L. nur Handschellen bekommen. Am 21. April will sie sich äußern.

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