Berlin : Betrug mit Plomben

Zahnarzt rechnete nicht erbrachte Leistungen ab

Robert Gabriel

AUS DEM GERICHT

Der angeklagte Zahnarzt sah sich als Opfer einer Intrige. „Diese Frau will mich fertig machen“, erklärte Ulrich K. am Dienstag vor dem Amtsgericht Tiergarten. Er war des Abrechnungsbetruges angeklagt: Zwei Jahre lang soll der 39-Jährige nicht erbrachte Leistungen bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Berlin abgerechnet haben. „Diese Frau“ aber, das war die Hauptzeugin der Staatsanwaltschaft – seine frühere Angestellte Miriam W.

Als Miriam W. bei Ulrich K. noch als Zahnarzthelferin arbeitete, hatte sie mit dessen Scheckkarte, aber ohne seine Erlaubnis rund 3500 Euro von dem Konto des Zahnarztes abgehoben. Sie ist deshalb bereits in einem anderen Verfahren zu einer Geldstrafe von 2600 Euro verurteilt worden. Und sie schwärzte dann ihren ehemaligen Arbeitgeber an. „Ich habe meine Strafe bekommen“, sagte sie gestern vor Gericht, „und will, dass auch er die Wahrheit sagt.“

Die Wahrheit sieht nach ihrer Darstellung so aus: „Alle zahnärztlichen Behandlungsposten, die in den Patientenakten mit einem Punkt gekennzeichnet sind, wurden zwar abgerechnet, aber nicht erbracht“, sagte Miriam W. Aus einer einfachen Füllung sei in der Abrechnung eine aufwendige geworden, aus einer problemlosen Zahnentfernung ein Fall, bei dem der Zahn ausgehebelt werden musste. Die zusätzlichen Honorare, die der Zahnarzt so eingesteckt haben soll, hätten zwischen vier und 60 Euro gelegen – in 264 Fällen und mit einem Gesamtschaden von rund 3500 Euro.

Die Aussage der Zeugin blieb nicht ohne Wirkung: So energisch wie der Zahnarzt den Vorwurf des Betrugs erst bestritten hatte, so bereitwillig erklärte Ulrich K. dann doch seine Zustimmung zur Einstellung des Verfahrens gegen eine Zahlung von 4000 Euro an die Justizkasse.

Eine elegante Lösung für K., denn mit der Einstellung wurde auch ein weiteres Verfahren gegen ihn beendet. Ihm wurde vorgeworfen, am heimischen Computer Anwohnerparkausweise gefälscht und zum eigenen Gebrauch verwendet zu haben. Dieser Computer wird nun von der Justiz eingezogen und verwertet. K. war auch hiermit einverstanden.

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