Berlin : Betrug per Pinselstrich

Maler fälschte Arbeiten bekannter Künstler Gericht verhängte zwei Jahre Haft auf Bewährung

Alles nur gefälscht, doch zweimal waren Kunstexperten erstaunt und griffen tief in die Tasche: Jürgen R., ein Autodidakt aus einer kleinen Werkstatt in Berlin, kreierte drei vermeintliche Gemälde des Malers Felix Nussbaum und zwei angebliche Werke von Martin Kippenberger. Er tat es im Auftrag von Kunsthändlern, die viel verdienen wollten, befanden am Montag die Richter. Gegen den Fälscher ergingen zwei Jahre Haft auf Bewährung, gegen Eheleute aus der Kunstszene 19 und 17 Monate auf Bewährung.

Jürgen R., ein 52-jähriger Restaurator, hatte keine Vorstellung über den Wert eines echten Bildes von Nussbaum (1904 bis 1944), als er im Frühjahr 2007 Besuch von einem Kunsthistoriker bekam. Der 70-Jährige, der ebenfalls angeklagt, jedoch nicht verhandlungsfähig ist, bestellte ein Gemälde zu „repräsentativen Zwecken“. So hatte er es R. versichert, der für seine Arbeit am Ende keine 5000 Euro bekam. Der Auftraggeber aber schaltete Kunsthändler ein, die er wiederum mit der Legende eines Werkes aus Privatbesitz täuschte.

Die erste Fälschung ging für die Summe von 200 000 Euro an das Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück, das zweite wurde für 320 000 Euro nach New Jersey verkauft. Doch dann kam es zu Unstimmigkeiten: 2000 Euro hatte der 70-Jährige nach Angaben des Fälschers versprochen. Als Jürgen R. nicht einen Cent sah, wurde er sauer und trug seinen Ärger auch auf der Zunge. „Er sprach das Ehepaar D. an“, hieß es im Urteil. Die Kenner der Kunstszene, 66 und 63 Jahre alt, hätten mit Jürgen R. eine weitere Fälschung besprochen und „heftige Erlösteilung“ ausgemacht.

Der talentierte R. griff wieder zum Pinsel. Erneut wurde das Bild dem Nussbaum-Museum angeboten. Doch das Werk roch noch nach frischer Farbe. Danach befasste sich R. im Auftrag eines weiteren Kunsthändlers mit Martin Kippenberger (1952 bis 1997) – bis die Polizei kam.K.G.

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