Betrugsprozess : Professor Luxus: 73-jähriger Betrüger vor Gericht

Kaum eine Gelegenheit hat der Hochstapler in den vergangenen Jahren ausgelassen, um es sich als angeblicher Professor im Luxus gut gehen zu lassen. Nur wurde er fast jedes Mal erwischt. Jetzt drohen dem Gefängnis-Routinier weitere Haftstrafen.

Kerstin Gehrke

Der hagere Mann sitzt im Rollstuhl und hat angeblich hart geschuftet in seinem Leben. Erst Schuhmacher, dann beim Militär und später als Finanz- und Immobilienmakler. Wolfgang E. ist längst ergraut – doch nicht in Ehren. Seit gestern sitzt der 73-jährige Mann erneut vor Gericht. Er gilt seit Jahrzehnten als Hochstapler, der betrügt, wann immer sich eine Gelegenheit bietet. Seit den achtziger Jahren soll er insgesamt nur neun Jahre in Freiheit gewesen sein.

Diesmal geht es um eine Serie von Schwindeleien mit falschen Titeln und erfundenen Firmen zwischen April 2006 und Februar 2007. Der Gesamtschaden soll mehr als 100 000 Euro betragen. Wolfgang E. mietete sich laut Anklage als „Dipl. Ing.“ oder angeblicher Professor in Hotels ein. In ein vornehmes Haus checkte er den Ermittlungen zufolge unter Angabe einer Anschrift in den USA ein und schlich sich fünf Wochen später unbemerkt aus dem Hotel. Eine offene Rechnung von 10 256 Euro blieb zurück.

Im Juni 2006 wollte er wohl seine Wohnung technisch auf den neuesten Stand bringen. Als „Prof. Dipl.Ing.“ soll er bei einem Warenhaus in Wilmersdorf Großbildfernseher, Vollwaschtrockner, Einbauherd und Kühlschrank für insgesamt 7300 Euro bestellt haben. Dabei gab sich der kleine Mann laut Anklage großspurig als Chef eines Konzerns aus. Zur Lieferung der Geräte kam es jedoch nicht, weil ein Mitarbeiter Verdacht schöpfte und die Polizei einschaltete.

Wenige Wochen später war der angebliche Geschäftsmann in Reinickendorf unterwegs. Er soll großzügige Gewerberäume für monatlich 3700 Euro gemietet und in diesem Fall einen Schaden von rund 27 000 Euro verursacht haben. Dass er eigentlich eine mehrjährige Gefängnisstrafe verbüßte und lediglich wegen einer Operation für drei Monate in Freiheit war, verschwieg er bei dieser Gelegenheit. Er nächtigte laut Staatsanwaltschaft weiter in Hotels und verschwand, wenn es eng wurde. Außerdem habe er Computer zum Gesamtpreis von 35 300 Euro in die Gewerberäume bringen lassen. Zuletzt war Wolfgang E. in Berlin verurteilt worden, weil er als Häftling zu Unrecht Sozialhilfe kassiert hatte. Damals verbüßte er gerade eine Strafe von sechseinhalb Jahren und erschwindelte von der Zelle aus rund 6000 Euro. Im jetzigen Prozess überließ er seinen beiden Verteidigern das Wort. „Unser Mandant ist nicht verhandlungsfähig“, erklärten sie. Der 73-jährige Serientäter hörte bleich und still zu. Er hat noch eine Menge vor sich: Bis ins Jahr 2012 sind Reststrafen zu vollstrecken. Der Prozess geht am Dienstag weiter. Kerstin Gehrke

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