Betrugsverdacht : DRK-Chefs auf Jobsuche

Die unter Betrugverdacht stehenden Geschäftsführer aus den Kliniken der Schwesternschaft Berlin im Roten Kreuz sind vorerst arbeitslos. Die Kliniken haben sich von ihnen einvernehmlich getrennt.

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Kürzlich erst wurden Thomas K., 56, und Alexander P., 41 Jahre, aus der Untersuchungshaft entlassen, nun habe man sich „im Einvernehmen“ getrennt, teilte die Klinikkette am Dienstag mit. „Dieser Schritt ist keine Vorverurteilung und kein Schuldeingeständnis im Zusammenhang mit den laufenden Ermittlungen“, sagte der derzeitige Geschäftsführer Ralf Stähler. Ein Chefarzt und die beiden Klinikmanager waren vor fünf Wochen wegen Betrugsverdachts festgenommen worden. Der Vorwurf: Jahrelang seien Abrechnungen zu Röntgenverfahren von Fachärzten unterschrieben worden, obwohl diese die Eingriffe an Assistenzärzte delegiert haben sollen. Alle drei Hauptverdächtigen genießen Haftverschonung. Bei neuer Sachlage können sie jederzeit wieder ins Untersuchungsgefängnis kommen.

Ermittler überprüfen in den drei DRK-Häusern inzwischen auch Behandlungen mit Magnetresonanz- und Computertomografen sowie Sonografien. Die DRK-Kliniken kooperierten eng, hieß es von Krankenhaus und Beamten. Das hatte sich in Justizkreisen zuletzt anders angehört, man habe „um jede Akte betteln“ müssen. Gegen K. wird auch wegen Verstoßes gegen das Bundesdatenschutzgesetz ermittelt. Vergangenen August hatten Kinder am Auto eines Mitarbeiters einen Metallgegenstand entdeckt. Die Polizei sprengte die mutmaßliche Bombe. Doch die Reste entpuppten sich als GPS-Peilsender. Wenig später wurde unter dem Wagen einer ehemaligen Kollegin des Arztes ein weiterer Sender entdeckt.

Unklar bleibt, inwiefern der beschuldigte Chefarzt Hermann Josef S. an etwaigem Betrug verdient haben könnte. Ob S. mit der Klinik eine Vereinbarung über Zusatzvergütungen hatte, wenn er besonders viele Patienten behandelte, wurde vom Krankenhaus nicht bestätigt. Die automatisch erfolgten Zuwendungen durch höhere Patientenzahlen stehen Kennern zufolge jedenfalls in keinem Verhältnis zum Strafrisiko.

Die Schnittstelle zwischen ambulanter Versorgung durch Klinikmitarbeiter, die auch als niedergelassene Mediziner tätig sind, gilt als besonders betrugsanfällig. In Berlin sind rund 27 000 Ärzte zugelassen, 18 000 davon praktizieren derzeit aktiv, mehr als 8300 von ihnen sind in Kliniken tätig.

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