Betrugsverdacht : Falsche Nummer

Das Ärztehaus am Rosenthaler Platz in Mitte soll wegen falscher Abrechnung schließen. Davon wären 50 Arbeitsplätze betroffen. Der Betreiber wehrt sich juristisch.

Ingo Bach

Das Ärztezentrum Atriomed am Rosenthaler Platz in Mitte soll nach dem Willen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin geschlossen werden. Wie berichtet steht das Zentrum, in dem 17 Ärzte aus acht Fachrichtungen arbeiten, unter dem Verdacht des Abrechnungsbetruges. Drei Mediziner sollen die Behandlung von Patienten unter einer falschen Arztnummer abgerechnet haben. Diese Ziffer dient der lebenslangen Identifizierung eines Kassenarztes.

Auf Antrag der KV hat nun der Zulassungsausschuss, der über die Genehmigung von Arztniederlassungen entscheidet, die Zulassung für die Berliner Atriomed-Sitze widerrufen. Ohne diese Zulassung können die Mediziner keine Behandlungen von Kassenpatienten abrechnen. Damit sind die rund 50 Arbeitsplätze in dem Versorgungszentrum gefährdet.

Der Zulassungsausschuss folgte mit seiner Entscheidung offenbar dem Argument der KV, wonach durch die vorgeworfenen Verstöße nicht nur die Sitze der drei betroffenen Ärzte eingezogen werden müssten, sondern die des gesamten Versorgungszentrums. Dessen Betreiber sei für die vorgeworfenen Verstöße verantwortlich. Außerdem sei durch die falschen Abrechnungen das Vertrauen der KV in eine künftig korrekte Rechnungsstellung irreparabel gestört. Ein Weiterbetrieb sei nicht mehr möglich.

Der Betreiber hingegen weist die Vorwürfe zurück. Ein Fehler in der Abrechnungssoftware habe das Problem verursacht, sagt Andreas Heyer, Geschäftsführer der Health-Care Managers GmbH in Köln, die bundesweit drei weitere Atriomed-Center betreibt. „Das war ein Fehler, aber kein Betrug. Wir haben uns nicht bereichert.“ Denn man habe jede der abgerechneten Leistungen auch erbracht, nur leider unter einer fehlerhaften Arztnummer abgerechnet.

Der Betreiber kündigte an, gegen die Entscheidung Widerspruch einzulegen. „Nun muss sich der Berufungsausschuss mit der Thematik beschäftigen“, sagt Heyer. Wegen der Beweislage gehe er davon aus, dass der Beschluss des Zulassungsausschusses aufgehoben werde. „Falls nicht, werden wir den Fall dem Sozialgericht vorlegen.“ Bis zu einer richterlichen Entscheidung würden höchstwahrscheinlich Jahre vergehen, sagt Heyer. Der Rechtsweg habe eine aufschiebende Wirkung. „Solange der nicht ausgeschöpft ist, wird das Atriomed normal weiterarbeiten und weiterhin Termine für die Patienten vergeben.“

Die KV will wegen des laufenden Verfahrens keine offizielle Stellungnahme zu dem Fall abgeben.

Bekannt wurde das erst im Februar eröffnete Atriomed, weil es mit der Techniker Krankenkasse (TK) kooperiert. Dadurch genießen TK-Versicherte in dem Haus exklusive Konditionen: neben einem besseren Service im Wartezimmer vor allem den, dass die Kranken binnen fünf Werktagen einen Behandlungstermin erhalten. Ingo Bach

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