Berlin : Betrunkener Autofahrer schleift Radler mit – und flüchtet

Nach Unfall lässt er den Schwerverletzten auf der Straße liegen. An Kollision kann er sich angeblich nicht erinnern

Jörn Hasselmann

Der 46-Jährige kam von der Weihnachtsfeier in Lübars. Dort will er Alkohol getrunken haben, reichlich Alkohol. Gegen halb drei Uhr früh setzte er sich dennoch in seinen 3er-BMW und fuhr nach Hause. Dass er dabei einen Radfahrer umgefahren und diesen lebensgefährlich verletzt hat, soll der Fahrer nach Meinung der Polizei bemerkt haben. Die Rekonstruktion des Unfalls ergab: Beide fuhren in der Michelangelostraße in die gleiche Richtung, der Radfahrer ordnungsgemäß in der rechten Fahrspur. Auf Höhe der Hanns-Eisler-Straße erfasste der BMW den Radler frontal. 40 Meter wurde der 28 Jahre alte Radfahrer mitgeschleift. Nach etwa 80 Metern hielt der Autofahrer dann an, holte das zerstörte Fahrrad von der Motorhaube – und fuhr weiter. Später fand eine nachfolgende Autofahrerin den leblosen Körper auf der Fahrbahn, die genaue Unfallzeit ist unklar.

Gestern Vormittag wurde der BMW-Fahrer dann zu Hause festgenommen. Seine Lebensgefährtin hatte am Morgen die Polizei benachrichtigt. „Da war was auf der Fahrt“, soll ihr Freund gebeichtet haben. Das dunkelrote Auto musste die Polizei nicht lange suchen, es stand vor dem Plattenbau am Teterower Ring in Hellersdorf. Es hatte starke Schäden an Motorhaube und Dach, die fehlenden Karosserieteile, darunter den Kühlergrill mit der BMW-Niere, hatte die Polizei am Unfallort gefunden. Die Schäden sprechen für ein nicht geringes Tempo des Autofahrers, hieß es.

Den Unfall will der 46-Jährige jedoch nicht bemerkt haben. Er wurde nach der Festnahme zur Blutprobe gebracht. Gutachter sollen jetzt den Alkoholwert zur Unfallzeit feststellen. Auch Stunden später seien Mediziner in der Lage zu bestimmen, ob ein Promillewert erst nach einem Unfall angetrunken wurde oder schon zur Unfallzeit bestand.

Der Radfahrer schwebte gestern auch nach drei Notoperationen in Lebensgefahr, seine Überlebenschancen seien gering. Zeugen des Unfalls werden dringend gesucht: Sie können sich unter Telefon 4664 281 800 melden. Die Polizei stellte das Auto und den Führerschein sicher. Der Fahrer kam gestern wieder auf freien Fuß. Unfallflucht und Körperverletzung rechtfertigen keine Untersuchungshaft, hieß es. Haft droht ihm dennoch. In einem vergleichbaren Fall war 2004 ein 39-Jähriger zu zweieinhalb Jahren verurteilt worden, der im Suff einen Radler totgefahren hatte. Dieses Urteil war damals als „hart“ bewertet worden, zuvor waren andere betrunkene Autofahrer mit Bewährungsstrafen davongekommen.

Die Polizei kündigte gestern an, dass die Verkehrskontrollen in der Weihnachtszeit „spürbar intensiviert“ werden sollen.

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