Bevölkerungsentwicklung : Babyboom in Berlin: 2008 erneut mehr Geburten

Nach der Trendwende 2007 kann Berlin für das vergangene Jahr eine weitere Zunahme von Geburten verbuchen. Das hat auch Auswirkungen auf den Landeshaushalt.

Sigrid Kneist

Der Babyboom in Berlin hält an. Am gestrigen Mittwoch meldete der Vivantes-Krankenhauskonzern, dass auch im vergangenen Jahr wieder mehr Babys in seinen Kliniken zur Welt gekommen sind. Bereits im Vorjahr hatte es dort eine Zunahme an Geburten gegeben. 2008 kamen in den sechs Geburtskliniken des Konzerns 10.527 Kinder auf die Welt, das sind 273 mehr als im Vorjahr. In den Vivantes-Krankenhäusern wird rund ein Drittel aller Berliner Kinder geboren. Für die gesamte Stadt liegen die Daten für das vergangene Jahr allerdings noch nicht vor. Jedoch deuten die Zahlen, die das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg für das erste Halbjahr 2008 veröffentlicht hat, darauf hin, dass der Trend auch für die gesamte Stadt anhält. Von Januar bis einschließlich Juni 2008 gab es insgesamt 14.218 Neugeborene, 210 Kinder mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit entspricht die Entwicklung in Berlin jener im Bundesgebiet.

2007 hatte die Stadt seit langer Zeit wieder einen Geburtenüberschuss verzeichnet, was die Statistiker damals schon als eine „kleine Sensation“ bezeichneten. Zum ersten Mal nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte es mehr Geburten als Sterbefälle gegeben. Pankow, Friedrichshain und Mitte waren die Bezirke, in denen die meisten Kinder zur Welt kamen.

Im Krankenhaus Friedrichshain brachte der neue Babyboom die Geburtshilfestation, die im April 2008 neue Räume bezogen hatte, bereits im Herbst an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Hebammen kamen mit der Betreuung der Mütter und der Neugeborenen nicht mehr hinterher. Die Behörden waren im vergangenen Jahr ebenfalls von der Entwicklung überrollt worden; beispielsweise gab es zeitweise monatelange Bearbeitungszeiten bei den Anträgen für das Elterngeld.

Der für die Bevölkerungsentwicklung positive Babyboom hat aber auch Auswirkungen auf den Landeshaushalt. Das Land muss mehr Geld für die Betreuung der Kinder ausgeben. Erst am Dienstag musste Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) verkünden, dass die Ausgaben für Kindertagesstätten um 107 Millionen steigen werden. Ursprünglich war er von 800 Millionen Euro ausgegangen. Das habe man 2007 bei der Aufstellung des Doppelhaushaltes falsch eingeschätzt, sagte Sarrazin. Die Kostensteigerung ist aber nicht nur auf die Geburtenrate zurückzuführen. Hinzu kommt, dass die Eltern längere Betreuungszeiten für ihre Kinder anmelden. 

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