Bevölkerungsprognose von Allianz und Prognos : Neue Studie: Berlin wächst langsamer

Der Versicherungsriese Allianz verlässt sich lieber nicht auf die Zahlen des Senats. Das Unternehmen rechnet mit einem Zuwachs von 450.000 Menschen in Berlin - bis 2045.

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Blick auf die Türme am Frankfurter Tor in Friedrichshain.
Blick auf die Türme am Frankfurter Tor in Friedrichshain..Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Vorsicht ist die Mutter des Versicherungswesens, deswegen bleibt die aktuelle Bevölkerungsprognose der Allianz deutlich hinter den Erwartungen des Senats zurück. Bis 2045 rechnet der Konzern mit einem Zuwachs um 450.000 Einwohner in Berlin, die Gesamtbevölkerung läge dann bei rund 3,9 Millionen. Der Senat hält es wegen des Flüchtlingszustroms und der Attraktivität der Stadt für möglich, dass schon bis 2025 die Vier-Millionen-Marke überschritten werde könnte. Bei konservativerer Einschätzung der Zahlen kommen die Senatsexperten immer noch auf einen Anstieg auf 3.8 Millionen Menschen bis 2030.

Allianz hat ein Interesse an belastbaren Zahlen

Die Allianz hat zum ersten Mal in Kooperation mit dem Forschungsunternehmen Prognos eine Studie zum Wachstum der Bevölkerung in ganz Deutschland erstellt. Hintergrund ist das zunehmende Engagement des Konzerns in der Baufinanzierung. "Es geht darum, Risiken abzuwägen", sagt Allianz-Sprecher Henning Troschel. Da will man sich nicht auf Prognosen der Länder und Kommunen verlassen.

Der Allianz-Turm an der Spree.
Der Allianz-Turm an der Spree.Foto: Soeren Stache/dpa

Noch stärker als Berlin wächst laut Allianz-Studie die Region Havelland-Fläming mit den Städten Brandenburg an der Havel, Potsdam und den Landkreisen Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming. Während die Berliner Bevölkerung um 14 Prozent wachsen soll, werden im südwestlichen Umland 15 Prozent veranschlagt. Im nördlichen Brandenburg, also Prignitz, Uckermark, Oberhavel und Barnim, nehmen die Experten einstellige Zuwachsraten an, im Brandenburger Süden könnte die Bevölkerung dagegen schrumpfen.

Wohnungen in Berlin werden knapper

Sollte der Wohnungsbau nicht kräftig anziehen, werde sich das Verhältnis zwischen Haushalten und Wohnungen in Berlin deutlich verschlechtern, heißt es in der Studie, von 1009 Wohnungen pro 1000 Haushalte in 2013 auf 966 Wohnungen in 2045. In Brandenburg ist die Versorgungslage deutlich besser: in Havelland-Fläming wird ein Anstieg von 1026 auf 1033 Wohnungen vorausgesagt, in Uckermark und Barnim sogar von 1055 Wohnungen in 2013 auf 1150 Wohnungen in 2045. Als ausgeglichen gilt ein Wohnungsmarkt laut der Studie, wenn für 1000 Haushalte 1030 Wohnungen zur Verfügung stehen. Dabei wird berücksichtigt, dass wegen Umzügen und Renovierungen immer ein Teil der Wohnungen nicht benutzbar ist.

Deutschlandweit rechnen die Experten von Allianz und Prognos mit einer Bevölkerung von 85 Millionen Menschen im Jahr 2045.

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