Bevölkerungswanderung : Berliner drängten an den Stadtrand - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren schrieb Ulrich Zawatka-Gerlach über den Wegzug zehntausender Einwohner aus den Innenstadtbezirken an den Stadtrand.

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Die Berliner drängen in fast allen Richtungen an den grünen Rand der Stadt. Von 2004 bis 2008 profitierten von dieser innerstädtischen Wanderungsbewegung vor allem Treptow-Köpenick, Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf. Dagegen gingen den Bezirken Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Tempelhof-Schöneberg in den vergangenen Jahren zehntausende Einwohner verloren.

Das geht aus einer Statistik hervor, die von der Stadtentwicklungsverwaltung des Senats in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Abgeordneten Jutta Matuschek (Linke) veröffentlicht wurde. Der Senat hat allerdings keine Erkenntnisse darüber, warum die Bewohner aus den Innenstadtregionen nach außen drängen. Eine „aktuelle Wanderungsmotivbefragung“ gebe es nicht, teilte Staatssekretärin Hella Dunger-Löper (SPD) mit. Sie sprach lediglich die Vermutung aus, dass die „Baustruktur“ (zum Beispiel große oder kleine Siedlungen), soziale Verhältnisse und Haushaltsgrößen für die jeweilige Nachfrage nach Wohnungen und die entsprechende Binnenwanderung bestimmend seien.

Bekannt ist seit langem, dass die Berliner ziemlich mobil sind. Das Bedürfnis, innerhalb der Stadt umzuziehen, ist in den letzten zwei Jahrzehnten noch messbar gewachsen. 1991 bis 1993 lag die Binnenwanderungsquote bei 7,9 bis 8,8 Prozent. In den Jahren 2004 bis 2008 schwankte sie zwischen 11,3 und 9,8 Prozent – inzwischen wieder mit sinkender Tendenz. Für 2008 bedeutet dies: Von den 3,42 Millionen Berlinern zogen mehr als 333 000 innerhalb der Stadt um.

In diesem Zeitraum erwiesen sich die Spandauer als besonders treue Bewohner ihres Bezirks. In den fünf Jahren zogen nur 140 von 1000 Einwohnern in andere Bezirke. Ähnlich sesshaft waren die Berliner in Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf. Dagegen zog es in den fünf Jahren in Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte jeden dritten Bewohner in andere Stadtregionen.

Umgekehrt wechselten zwar relativ viele Menschen in citynahe Regionen, aber eben nicht genug. Im Saldo ergab sich dort ein beträchtlicher Bevölkerungsverlust. Statistische Zahlen für 2009 lagen der Senatsverwaltung noch nicht vor.

Die insgesamt hohe Mobilität der Berliner führt die Stadtentwicklungsbehörde darauf zurück, dass der Wohnungsmarkt in der Hauptstadt „weiterhin in großen Teilen als entspannt zu bewerten ist“. Anders als zu Beginn der neunziger Jahre. Das heißt auf Deutsch: Das Angebot an bezahlbaren Wohnungen ist noch groß genug, um sich einen Umzug leisten zu können. Dieser Logik folgend könnte die Flucht aus der Innenstadt aber auch bedeuten, dass dort vielen Bewohnern die Mieten zu hoch geworden sind.

Die Statistik zeigt übrigens auch, dass die Berliner zwar gern die Wohnung wechseln, aber doch gern im vertrauten Umfeld bleiben. Wer zum Beispiel den Bezirk Mitte verlässt, zieht am liebsten nach Pankow und Reinickendorf, also eher in die Nachbarschaft. Umzügler aus Lichtenberg wiederum wechseln besonders häufig nach Marzahn-Hellersdorf und Pankow. Wer Tempelhof-Schöneberg den Rücken kehrt, zieht hauptsächlich nach Steglitz-Zehlendorf, Neukölln und Charlottenburg-Wilmersdorf.

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren"

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