Berlin : Bewährung für den Verführer

LehrerwegenBeziehungzueiner14-Jährigenverurteilt

Kerstin Gehrke

Mit elf Monaten auf Bewährung kann der Lehrer zunächst Beamter bleiben. Obwohl die Vorsitzende Richterin selbst sagte: „Wir meinen, dass der Angeklagte als Lehrer untragbar ist.“ Anders als der Staatsanwalt befand das Gericht aber auch, dass unter dem Strich „sehr wenig“ gegen den Angeklagten spreche. Das Verhältnis des 53-jährigen Studienrats Wolfgang S. zu einer 14-jährigen Schülerin seines Neuköllner Gymnasiums sei eine „besondere Beziehung“ gewesen. S. wurde gestern wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen in 105 Fällen zu elf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Zudem muss er 20 000 Euro zahlen – davon 2000 Euro an das Mädchen.

Der seit Oktober 2003 vom Dienst suspendierte Lehrer behält mit diesem Urteil zunächst seinen Beamtenstatus und die damit verbundenen Pensionsansprüche. Erst bei einer Strafe ab einem Jahr Haft wäre er entlassen worden. Die Schulverwaltung hatte im Prozess deutlich gemacht, dass sie den Lehrer nicht wieder in der Schule sehen möchte. Sie wird das Disziplinarverfahren gegen ihn weiter betreiben. Über die angestrebte Entlassung des Lehrers muss die Disziplinarkammer des Verwaltungsgerichts entscheiden. Bis dahin können nach Angaben der Schulverwaltung Jahre vergehen. Wolfgang S. wird jeden Monat gekürzte Bezüge erhalten. Derzeit sind das 2470 Euro.

Sandra (Name geändert) hatte keinen Unterricht bei dem Studienrat. Sie lernte ihn im Computerraum kennen. Wie viele Schülerinnen schwärmte sie für den Lehrer. Das nutzte er aus, urteilte das Gericht. Er verführte das Mädchen, das damals Probleme mit seiner allein erziehenden Mutter hatte. Die heute 18-Jährige sagte im Prozess, dass sie damals Halt gesucht habe. Als Wolfgang S. vor dem Urteil noch ein Geständnis ablegte, weinte sie.

Dass S. nach der verbotenen Beziehung mit einer weiteren Schülerin anbändeln wollte, sei strafrechtlich nicht relevant, aber „moralisch zu verdammen“. Man müsse die „Tragik“ hinter dem Fall sehen, sagte die Richterin. Mit viel Fleiß sei er Lehrer geworden. „Er war ein beliebter und guter Lehrer – 15 Jahre lang.“ Nun ist das vorbei.

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