Berlin : Bewährung nach fataler Ohrfeige

Als die kleine Djamila ihre Medizin nicht nahm, schlug der 22-jährige Ziehvater zu Das Kind erlitt Schädelbrüche, Spätfolgen sind nicht absehbar. Trotzdem sah das Gericht von Haft ab

Kerstin Gehrke

Als Oliver G. die knapp einjährige Tochter seiner Lebensgefährtin in der Kita abgab, wirkte er auffallend aufgeregt. Djamila sei bei Laufversuchen gestürzt und habe sich wohl eine kleine Beule zugezogen, log er noch und machte sich schnell aus dem Staub. Kurz darauf alarmierten die Erzieherinnen den Notarzt, weil das Kind aus der Nase blutete und sein Kopf anschwoll. „Djamila wollte ihre Medizin nicht nehmen, da habe ich ihr eine Backpfeife gegeben“, gab der 22-jährige Mann aus Lichtenberg, der das Mädchen lebensgefährlich misshandelt hatte, nun vor dem Amtsgericht Tiergarten zu. Ein Schlag sei es gewesen.

Oliver G. schluchzte vor Gericht und beteuerte, dass es nur eine einzige Ohrfeige gewesen sei, weil sie ihre Hustentropfen nicht schlucken wollte. „Aber nicht mit voller Kraft, nicht mit der Faust.“ Die Verletzungen, die das Mädchen am Morgen des 7. September 2005 erlitt, sprachen dagegen. Djamila lag mit Schädelbrüchen mehrere Wochen im Krankenhaus. Sechs Tage lang schwebte sie in akuter Lebensgefahr. Inzwischen habe sich ihr Gesundheitszustand gebessert, sagte der Anwalt der 20-jährigen Mutter am Rande des Prozesses. Nicht absehbar seien allerdings Folgeschäden wie Epilepsie.

Oliver G. und Maria H. waren schon als Teenager ein Paar. Als er dann bei der Bundeswehr war, ließ sie sich mit einem anderem Mann ein, wurde von dem schwanger. Dennoch nahm Oliver G. wieder Kontakt zu ihr auf. „Wir lebten bis zum Tattag zusammen, wie eine kleine Familie“, sagte der Angeklagte vor Gericht unter Weinkrämpfen. „Es ist auch nicht wahr, dass ich die Kleine nicht mochte, weil sie nicht von mir war.“ Das bestätigt Maria H.: Oliver G. habe sich „ganz gut“ um das Kind gekümmert, sagte sie. Wenn sie zur Berufsschule musste, habe er Djamila in die Kita gebracht. Am Tattag hatte G. die Kleine in den Kinderstuhl gesetzt. „Die erste Medizin nahm sie, die zweite verweigerte sie“, sagte der Angeklagte. Er könne sich nur an einen Schlag mit der flachen Hand erinnern. „Dann fehlt mir ein Stück Film“, meinte er. Er sei sich aber bewusst, dass er für die schweren Verletzungen verantwortlich ist. „Der Stuhl stand an der Wand, vielleicht ist ihr Kopf dagegen geflogen“, suchte er nach einer Erklärung für die Schädelfrakturen.

Der als Tankwart tätige Oliver G. ist bislang nicht als Gewalttäter aufgefallen. Das rechnete ihm das Gericht strafmildernd an. Zudem erklärte er, dass er für Behandlungskosten und Schmerzensgeld aufkommen wolle. Dem aber stehe die Rohheit der Tat gegenüber, hieß es im Urteil. „Mit einer Ohrfeige lassen sich die Verletzungen nicht erklären.“ Gegen G. erging „trotz Bedenken“ eine Strafe von zwei Jahren Haft auf Bewährung. Außerdem muss er eine Geldbuße von 2500 Euro zahlen.

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