Bewährungsstrafe : Ex-Waldorf-Lehrer wegen Missbrauchs verurteilt

Ein ehemaliger Waldorf Lehrer hat die sexuellen Übergriffe auf zwei Jungen gestanden. Er kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

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Berlin - Die Arme hielt Johan E. verschränkt, als die Verteidigerin seine kurze Aussage vor dem Berliner Landgericht vortrug. Ein Satz nur. Es war aber das Geständnis, das ihm zwei Stunden später eine Strafe von zwei Jahren Haft auf Bewährung und damit die Freiheit brachte. Ein persönliches Wort des Angeklagten, ein offenes Bedauern blieb aus in dem Prozess gegen den früheren Lehrer einer Waldorfschule, der vor acht Jahren in seiner Weddinger Wohnung zwei 13-jährige Jungen sexuell missbraucht hatte.

Als der 67-jährige Pädagoge im April verhaftet wurde, liefen Ermittlungen um einen mutmaßlichen Pädophilenring mit Verbindungen nach Haiti. Die Fahnder hatten andere Männer mit Wohnsitz in Berlin im Visier. Zollfahndern auf dem Flughafen München waren sie bei der Einreise aufgefallen. Sie kamen aus Haiti und hatten ein Kind bei sich, das verstört wirkte. Der brasilianische Reisepass des Jungen sei gefälscht gewesen, hieß es.

Menschenhandel, systematischer Missbrauch von Waisenkindern aus Haiti? Mit dem 57-jährigen John B., der einen selbst gegründeten Hilfsverein leitete, wurde ein Hauptverdächtiger festgenommen. Auf Johan E. fiel ein schlimmer Verdacht nach dem Fund von Fotos in B.s Wohnung. Nackte Jungen mit Männern. 20 Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in den Jahren 2002 und 2003 wurden dem Lehrer vorgeworfen. Es sei jeweils zum Oralverkehr gekommen.

Johan E. ist gebürtiger Schwede. Ein Pädagoge mit 43 Berufsjahren. Deutsch und Englisch unterrichtete er seit Mitte 2000 an einer Waldorfschule im Märkischen Viertel. Ein tadelloser Lehrer, beschrieb seine Verteidigerin im Plädoyer. Einer, der sich „Zeit seines Lebens bemüht hat, ein herausragendes Leben zu führen“. Der Pädagoge erhob bei diesen Worten sein weißes Haupt. Seine Ehefrau rückte noch näher an ihn heran. Sie saß während des gesamten Prozesses als Beistand an seiner Seite. Keiner der 20 Vorwürfe habe mit schulischen Belangen zu tun, wiederholte die Anwältin. Die beiden Jungen, so der Staatsanwalt, habe E. wohl im „Wohnumfeld“ kennen gelernt.

Zum schnellen Urteil war es aufgrund eines Deals gekommen. Bewährungsstrafe bei einem umfassenden Geständnis. Johan E. ist nicht vorbestraft, hat Opfern eine quälende Aussage im Prozess erspart. Und er wollte jeden weiteren Tag im Gefängnis verhindern. „Er ist in der Haftanstalt seines Lebens nicht sicher“, sagte die Verteidigerin. Zu massiven Bedrohungen sei es gekommen. Mitgefangene hatten ihn als mutmaßlichen Kinderschänder erkannt. Im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Missbrauch von Kindern in der Karibik war auch ein Foto von ihm in verschiedenen Boulevardblättern.

Die Schule hatte sofort reagiert. Johan E. wurde umgehend suspendiert, durfte das Gelände nicht mehr betreten. Es gab keinerlei Hinweise, dass auch dortige Schüler betroffen sein könnten. Dennoch wurde vorsichtshalber eine Hotline für mögliche Opfer eingerichtet. Es habe sich aber niemand gemeldet, hieß es.

Johan E. ging schweigend aus dem Gerichtssaal. Neben der Bewährungsstrafe hatte ihm das Landgericht eine Geldbuße von 3000 Euro an eine Hilfseinrichtung auferlegt. Wegen mutmaßlichen Missbrauchs eines Jungen in der Karibik wird in Deutschland nicht mehr gegen ihn ermittelt. Deutsche Behörden seien nicht zuständig, sagte ein Sprecher.

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