Berlin : Bewährungsstrafe für korrupte Frau vom Amt

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Die Frau vom Bezirksamt druckste nicht lange herum. Unverblümt erklärte sie einem Geschäftsmann: „Sie müssen da auch mal an mich denken.“ Der Mann, der wegen einer wichtigen Unterschrift gekommen war, konnte es nicht fassen: Angelika P. verlangte als Gegenleistung 10 000 Euro. Gestern wurde die 51-Jährige wegen Bestechlichkeit im besonders schweren Fall zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Zudem soll sie 5000 Euro an die Justizkasse zahlen.

Architektin P. war Mitarbeiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde im Bezirksamt Reinickendorf. Am 15. September hatte Volker V. von der Windsor AG im Zusammenhang mit der Sanierung des Seeschlosses Hermsdorf einen Termin bei der Frau vom Amt. Es ging um eine Verlängerung der denkmalrechtlichen Bescheinigung. Ein Papier von wirtschaftlichem Wert, da davon steuerliche Sonderabschreibungen für Investitionen in Baudenkmäler abhängen.

Schockiert habe er die Schmiergeld-Forderung zur Kenntnis genommen, sagte der 47-jährige V. im Prozess. Noch am selben Tag ging er zur Polizei. Nach Absprache mit den Ermittlern vereinbarte er mit der Frau ein weiteres Treffen. In seinem Auto übergab er ihr die 10 000 Euro. Angelika P. hatte das Geld gerade auf ihr Privatkonto eingezahlt, da klickten die Handschellen. Im Polizeiauto soll sie noch ein Gespräch mit korruptem Anstrich begonnen haben: „Kann man das nicht anders klären? Ist doch nicht viel passiert.“

Zwei Monate saß Angelika P. in U-Haft. Ihren Job im öffentlichen Dienst hat sie bereits verloren. Die Staatsanwältin sagte in ihrem Plädoyer, ab 10 000 Euro gehe es um einen „Vorteil großen Ausmaßes“. Die Angeklagte habe „ziemlich hohe kriminelle Energie“ gezeigt und das Ansehen des öffentlichen Dienstes beschädigt. Angelika P. hatte die Vorwürfe zugegeben und ihr Verhalten bedauert. Sie habe ihren Beruf beschmutzt, Kollegen und Freunde verloren, erklärte sie dem Gericht mit weinerlicher Stimme. Zu ihrem Motiv allerdings schwieg die Angeklagte. K.G.

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