Berlin : Bewegter Mann

Til Schweiger zieht nach Berlin – und dreht hier mit Nora Tschirner seinen nächsten Film

Nana Heymann

Ob er am Ende noch einmal glücklich wird, ob ihm seine Verlobte die Seitensprünge verzeiht und er den beruflichen Einstieg wieder schafft, bleibt ungewiss. In einer Filmszene von „One Way“ sieht man Protagonist Eddie Schneider, dargestellt von Til Schweiger, in einem Gerichtssaal, angeklagt der Vergewaltigung. Der sonst so erfolgsverwöhnte Mann sitzt neben seinem Anwalt, in sich zusammengesackt, das Gesicht blass ob der drohenden Haftstrafe. Es sieht nicht gut aus für Schneider.

Da läuft es für Til Schweiger im realen Leben wesentlich besser. An einem zaghaft kalten Nachmittag sitzt er beim Musiksender MTV in Friedrichshain, um über seinen Film „One Way“ zu sprechen, der gerade in den Kinos angelaufen ist. Dafür stand Schweiger nicht nur als Schauspieler vor der Kamera, er produzierte das Werk auch. „Ich bin natürlich nervös, wie sich der Film beim Publikum entwickelt“, sagt er und beugt sich dabei mit dem Oberkörper leicht nach vorn. „Man wünscht sich ja auch, dass die Eltern die neue Freundin gleich ins Herz schließen. So ähnlich verhält es sich bei einem neuen Film.“

Nach „Barfuss“ ist „One Way“ Schweigers zweite Eigenproduktion. Seine Ambitionen als Filmproduzent sind auch einer der Gründe, warum er nun nach Berlin zieht: Seine Firma „Barefootfilms“ hat ihren Sitz in Prenzlauer Berg. Und weil sich der 43-Jährige und seine Frau Dana Ende 2005 nach zehn Jahren Ehe getrennt haben, sucht er nun die Veränderung. Aus dem Haus in Hamburg-Niendorf, wo er mit seinen vier Kindern gelebt hat, ist Schweiger ausgezogen. „Ich wollte nicht bewusst einen neuen Lebensabschnitt anfangen. Aber wir haben uns getrennt, und dann war die Frage: Hamburg oder Berlin? Ich habe lange abgewogen und mich für Berlin entschieden.“

Für diese Entscheidung sprach einiges, erklärt Schweiger. „Berlin ist die Hauptstadt für den deutschen Film, hier sitzen die Filmschaffenden. Ich habe sehr viele Bekannte und Freunde hier, und es ist nah an Hamburg, wo meine Familie lebt – das gab den Ausschlag.“ Den Umzug wollte er bereits hinter sich haben. Aber in der Loftwohnung, die sich der Filmstar in Kreuzberg gekauft hat, wird noch gebaut. „Die hätte schon seit langer Zeit fertig sein sollen. Das wird nun im März der Fall sein.“ Trifft sich gut, denn dann beginnen auch die Arbeiten zu seinem neuen Film „Keinohrhase“. Gedreht wird in Berlin, vor allem Unter den Linden. „Das ist ein Film über Liebe, über Sex. Er wird sehr witzig, sehr schnell und frech. Ich bin überzeugt, dass er ein großer Erfolg wird.“ Vielleicht auch wegen der weiblichen Hauptdarstellerin Nora Tschirner. „Ich liebe sie. Sie ist momentan meine Lieblingsschauspielerin in Deutschland.“

Ob Schweiger der Rollenwechsel vom karrieregeilen Frauenverführer in „One Way“ zum Liebestolpatsch in „Keinohrhase“ schwerfällt? „Keine Rolle fällt mir leicht, jede ist eine Herausforderung. Das Schwierigste ist eigentlich, Komödie zu spielen. Weil man da als Schauspieler unheimlich locker sein muss, und das ist man nicht immer.“ Dabei käme es auf die richtige Atmosphäre am Drehset an, aber die stimme bei deutschen Produktionen meistens. Til Schweiger kann das beurteilen, er arbeitete schon mit Sylvester Stallone („Driven“) und Angelina Jolie („Tomb Raider“) zusammen. „Was auffällt: Die amerikanischen Kollegen gehen sofort wieder in ihren Trailer, sobald eine Szene gedreht ist. Am besten ist es ja, wenn man während der Arbeit zusammen Spaß hat und nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht.“

Als Eigenbrödlerin ist Nora Tschirner nicht bekannt. Wenn Schweiger also in knapp vier Wochen wieder am Drehset steht, wird ihm die Arbeit vor der Kamera vermutlich leicht fallen. Das Ergebnis ist voraussichtlich Ende des Jahres im Kino zu sehen.

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