Bewerber-Mangel : Ordnungsämter suchen verzweifelt Kontrolleure

Knöllchen verteilen, Hundehalter ermahnen, Radler in Parks stoppen: Klar, dass Mitarbeiter der Ordnungsämter schiefe Blicke ernten. Jetzt fehlen den Ordnungsämtern geeignete Bewerber für den unbeliebten Job.

Christoph Stollowsky

Knöllchen verteilen, Hundehalter ermahnen, Radler in Parks stoppen – und jetzt auch noch das Rauchverbot in Kneipen kontrollieren: Kaum jemand erhält für seine Tätigkeiten so viele böse Blicke wie die Mitarbeiter der Ordnungsämter. Auch handfesten Aggressionen sind sie zunehmend ausgesetzt. Wie berichtet ist die Zahl der Angriffe auf Ordnungsstreifen seit 2005 kontinuierlich gestiegen. Deshalb fällt es den Bezirken schwer, genug Personal für all diese unpopulären Aufgaben zu finden. Das zeigt sich erneut bei den seit 1. Juli erforderlichen Kontrollen zur Einhaltung des Qualmverbotes in der Gastronomie. Das dafür zugesagte Personal aus dem Stellenpool des Landes ist noch längst nicht komplett in den Ämtern angekommen. Es fehlen Interessenten, außerdem erweisen sich viele Bewerber als ungeeignet für den konfliktreichen Job.

Bereits im Oktober 2007 hat die Finanzverwaltung Berlins Bezirken 88 auf zwei Jahre befristete zusätzliche Stellen bewilligt. Das werde sie in die Lage versetzen, hieß es, neu hinzugekommene Kontrollaufgaben im Rahmen des Jugend- und Gesundheitsschutzes zu erfüllen, etwa das gesetzlich verordnete Rauchverbot in Lokalen oder das Verkaufsverbot von Alkohol an Jugendliche. Bislang sind von den 88 zugesagten Stellen aber nur 44 besetzt. 25 Bewerber sind laut Buschmann zur Zeit im Auswahlverfahren, so dass unterm Strich noch 19 Kräfte fehlen.

Die Verstärkung soll der Stellenpool des Landes schicken. Dieses „Personalüberhangmanagement“ vermittelt Mitarbeiter öffentlicher Verwaltungen, die auf ihrem alten Arbeitsplatz überflüssig sind. Doch bislang können beispielsweise die Bezirke Mitte, Neukölln, Charlottenburg-Wilmersdorf und Lichtenberg noch immer keine Raucherstreife losschicken.

„Zwanzig Kandidaten hat uns der Stellenpool zur Vorstellung geschickt, aber keiner war geeignet“, sagt Lichtenbergs Ordnungsamtschef Wolfgang Mauermann. „Einige waren zu alt für den Job oder gesundheitlich eingeschränkt, andere erschienen lustlos oder zu labil, um Konflikte durchzustehen.“ Eine Erfahrung, die man im Ordnungsamt Tempelhof-Schöneberg bestätigt: „Viele Bewerber mussten wir wieder wegschicken.“

Beim Stellenpool wehrt man sich gegen den Vorwurf, potentiell zu Vermittelnde würden unter Druck gesetzt, damit sie sich bei den Ämtern vorstellen. „Ordnungsamtsjobs dürfen wegen der besonderen Anforderungen und der Uniformpflicht nur an Freiwillige vermittelt werden“, sagt Stellenpool-Chef Peter Buschmann. Man treffe eine Vorauswahl und führe mit möglichen Interessenten Vorgespräche. Dabei zeige sich, dass etliche den Schichtdienst und die vergleichsweise geringe Bezahlung scheuten. Um zu erkennen, ob ihnen die Tätigkeit zusagt, könnten Interessenten in Ordnungsämtern hospitieren. Einigen sie sich mit dem Bezirk auf eine feste Anstellung, so werden sie in der Verwaltungsakademie noch drei Monate vor dem ersten Einsatz geschult.

Von den Einstellungen haben bisher eher bürgerliche Bezirke wie Steglitz-Zehlendorf profitiert. „Sozial schwierige Pflaster wie Neukölln schrecken Bewerber ab“, sagt Buschmann. Kaum jemand wolle dorthin. Deshalb hat der Senat diesen Bezirken nun genehmigt, Verstärkungskräfte frei einzustellen.

Vom Stellenpool könnten sie auch keine Hilfe mehr erwarten. Dort sind zwar noch knapp 2000 Angestellte registriert, die meist in befristeten Vertretungsjobs eingesetzt werden, bis eine dauerhafte Stelle für sie gefunden ist – aber davon, sagt Buschmann, „kommt niemand mehr für Streifendienste in Frage“.

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