Berlin : Beziehungspflege im Pub

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Von Senya Müller, London

Wie ein mehrstöckiges Ufo ragt das neue Londoner Rathaus am Südufer der Themse neben all den gotischen Prachtbauten hervor. Am gestrigen Dienstag eröffnete die britische Königin Elizabeth II. den Amtssitz von Bürgermeister Ken Livingstone und des Stadtparlaments offiziell. Unter den geladenen Gästen: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit. Bei seinem viertägigen Besuch in der britischen Hauptstadt begleiten ihn die Vertreter von neun jungen kreativen Unternehmen aus Berlin, die sich mit gleichgesinnten Londoner Agenturen bei einem Ideen-Workshop „Inspirations 01“ austauschen wollten. „London und Berlin sind beide im Aufbruch. Das macht die Zusammenarbeit interessant“, sagte Wowereit am Montag. „Beide Städte kennen soziale Probleme, sind gleichzeitig traditionell, jung und innovativ.“

Traditionell nach außen, doch schlicht und kreativ nach innen wirkt auch das Gebäude des Institute of Contemporary Art (ICA). Der Präsentationsraum hat das Aussehen einer leeren Fabrikhalle. Hier führten die jungen Designer, Architekten und Unternehmer einander am Montag ihre Projekte vor. „Wir brauchen uns gegenseitig nicht zu imponieren. Wir sind einfach ein paar Leute, die ähnlich denken und wollen Ansätze für neue gemeinsame Unternehmen sammeln“, fasste Nick Hafermaas von Trias Berlin seine Erfahrungen zusammen. Hafermaas stellte einen Pavillon vor, den er mit seiner Agentur für die Expo 2002 gestaltet hat. Eine rote Box mit n „Happy End“, in denen Farbflächen und Lichtspiele optische Bewegung erzeugen. Tim Brauns von der Firma e24 präsentierte eine Beinprothese mit Rollen. Seine Idee: Das Tragen der Prothese soll nicht mehr als peinlich, sondern als „cool“ empfunden werden. „Der Junge, für den ich das künstliche Bein gemacht hatte, war begeistert“, sagte Brauns. „Er brauchte nur noch die halbe Zeit, um zu seinem Freund zu kommen.“

Obwohl die Präsentation wie ein Wettbewerb aufgezogen war, gab es am Ende nur Gewinner. Freundschaftlich und locker gingen die jungen Unternehmer miteinander um. „Wir wollen eine Atmosphäre schaffen, in denen die Teilnehmer ohne Zwang aufeinander zugehen können“, sagte Nicola Rother von der Werbegesellschaft Partner für Berlin, die das Treffen mit initiiert hat.

Den Deutschen gefiel vor allem der Humor der englischen Kollegen, der Professionalität mit aberwitzigen Spielereien verbindet. Neben kühlem Industriedesign wie zum Beispiel von „Tomato“, einer der britischen Topagenturen, zeigten die Briten viel Skurriles. Jon Morgan und Mike Watson von Bump stellten zum Beispiel das „unordentliche“ Büro vor, das für kreative Arbeit unentbehrlich sei.

In den Pausen und während eines gemeinsamen Pub-Besuches entwickelten die Jungunternehmer gemeinsame Ideen für zukünftige Projekte. „Du, ich habe da ein Online-Projekt. Vielleicht kannst du mir dabei helfen“ – so oder ähnlich wurden neue Beziehungen geknüpft. „Ziel war es, in kurzer Zeit so viel kreativen Output wie möglich fließen zu lassen“, sagte Mitorganisatorin Nicola Rother.

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