Berlin : Bezirke kämpfen mit dem Wucher

Wärme und Wasser – da sprießt die Natur extrem Doch die Ämter haben nun spezielle Probleme.

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Erst hat es tagelang geregnet, jetzt kommt noch einmal drückende Hitze. Meteorologen erwarten für Sonntag Höchsttemperaturen um 33 Grad in Berlin und 35 Grad in Brandenburg. Und unter dem lange Zeit nassen Wetter ächzen auch die Bezirke – sie kommen mit der Grünpflege nicht hinterher.

„In manchen Nebenstraßen sieht es schlimm aus“, sagt Sabine Bönning vom Landschaftsplanungsamt Treptow-Köpenick. Auch in Pankow kommt man mit der Beseitigung der in die Gehsteige hineinwachsenden Hecken nicht hinterher, so Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne). Dass zum Teil meterhoch wuchernde Grün stellt die von Personal- und Finanzkürzungen gebeutelten Bezirke vor neue Probleme.

In Treptow-Köpenick ist man mit allen Kräften bemüht, mit zusätzlichen Arbeitsgängen wenigstens die Haupt- und Ausfallstraßen frei zu halten. Da blieb bisher keine Zeit, sich um überwuchernde Gehsteige in Ortsteilen wie Bohnsdorf und Rahnsdorf zu kümmern. Wie in den anderen Bezirken hat die Verkehrssicherung absolute Priorität, müssen Sichtbehinderungen an Fußgängerüberwegen und Kreuzungen beseitigt werden.

Auch Verkehrszeichen und Ampeln werden freigeschnitten, so Marc Schulte (SPD), Stadtentwicklungsstadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf, „aber wir schaffen nicht alles“. In Spandau stellt man sich darauf ein, auf Mittelstreifen und Plätzen nur noch einen meterbreiten Streifen am Fahrbahnrand zu mähen, berichtet Baudezernent Carsten Michael Röding (CDU). Der Grünschnitt landet auf Kompostplätzen der Bezirke.

In Mitte hat man die Mähintervalle auf den Spiel- und Liegewiesen in Grünanlagen wie Tiergarten, Humboldthain und Schillerpark erhöht. Dafür müssen hier wie in den meisten Bezirken andere Arbeiten zurückgestellt werden. An anderen Stellen wie auf den Wällen des Zentralen Festplatzes lässt man die Pflanzen trotz erster Beschwerden einfach wachsen. Das sei zwar für einige Bürger ein ästhetisches Problem, habe aber ökologisch eher einen positiven Effekt, sagt Harald Büttner, Leiter des Tiefbau- und Landschaftsplanungsamtes. Ohnehin gebe es kein Un-, sondern nur Wildkraut.

„Ohne Brennnesseln würde es keine Schmetterlinge geben“, betont Büttner. Dennoch hätte er nichts dagegen, wenn engagierte Bürger bisweilen das Wildkraut aus der einen oder anderen Baumscheibe entfernen würden.

Denn mehr können die Bezirke nicht stemmen. So schrumpfte beim Grünflächenamt in Mitte in den vergangenen zehn Jahren die Belegschaft um 50 Prozent. In diesem Jahr wurden die Pflegemittel auf 1,3 Millionen Euro halbiert. Das reicht nicht mal zur Müllbeseitigung an Brennpunkten wie Alexanderplatz oder Lustgarten an den Wochenenden, sagt Büttner. In Pankow sind zwölf Spielplätze wegen fehlender Sanierungsgelder geschlossen, klagt Stadtrat Kirchner. Und die 100 000 Euro, die man jährlich für die Müllabfuhr im Mauerpark ausgeben muss, „fehlen an allen Ecken und Enden“.

„Wir haben verstärkt mit dem Wildwuchs zu kämpfen“, sagt auch Bernd Müller von der BSR. Die Stadtreinigung ist zuständig für das Grün, das immer wieder zwischen dem Kleinpflaster oder den Gehwegplatten hervorsprießt. Die Beseitigung erfolgt im Rahmen der normalen Straßenreinigung in den der jeweiligen Reinigungsklasse entsprechenden Abständen. Zusatzeinsätze gibt es nicht.

Woanders freut man sich über die wachstumsfördernde Witterung. „Es macht alles einen frischen Eindruck“, sagt Parkmanager Michael Krebs von der Tempelhofer Freiheit. Da das Areal nicht gewässert wird, profitierte man zuletzt vom Regen. Die großen Wiesen zwischen den Landebahnen werden wegen der dort brütenden Feldlerchen ohnehin nur einmal im Jahr gemäht.

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