Berliner Kiez-Historie : Ein Bild und seine Geschichte - Aufruf an unsere Leserinnen und Leser

In der Ausstellung im U-Bahnhof Bayerischer Platz ist ein historisches Foto zum Buchladen Bayerischer Platz zu sehen. Um die Frage, wer darauf abgebildet ist, gibt es eine Debatte. Anlass für uns, nach Erinnerungen zu dem Laden zu fragen, in dem schon Albert Einstein und Gottfried Benn Bücher kauften.

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Historisches Bild des Buchladens Bayerischer Platz, zu sehen in der Ausstellung zur Historie des Bayerischen Viertels im Zwischendeck des U-Bahnhofs Bayerischer Platz. Mehr Informationen zu dem Bild, das uns die heutige Buchhändlerin Christiane Fritsch-Weith freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, und einen Aufruf an unsere Leserinnen und Leser finden Sie in unserem Kiezblog Bayerisches Viertel.
Historisches Bild des Buchladens Bayerischer Platz, zu sehen in der Ausstellung zur Historie des Bayerischen Viertels im...Foto: Buchladen Bayerischer Platz

Um ein historisches Bild in der Ausstellung im U-Bahnhof Bayerischer Platz und vor allem um die Bildunterschrift gibt es derzeit eine Debatte im Kiez. "Buchladen Bayerischer Platz. Inhaber: Benedict Lachmann. Bayerischer Platz 13/14 (Foto: Ende der 1920er Jahre)", heißt es als Erklärung zu dem Bild, das Teil der Dauerausstellung zur Historie des Bayerischen Viertels im Zwischendeck des U-Bahnhofs ist. Wolfgang Scharf, Stifter des Stolpersteins für Benedict Lachmann, weist darauf hin, dass diese Bildunterschrift nicht korrekt sein kann oder zumindest missverständlich ist, wenn man daraus schließt, dass auf dem Bild Lachmann zu sehen sei.

Eine inzwischen verstorbene Verwandte von ihm, Else Senske, habe bei Lachmann gearbeitet, bis der jüdische Buchhändler, Bibliothekar und Schriftsteller sein Geschäft 1937 auf Druck der Nazis aufgeben musste, erklärt Wolfgang Scharf, der sich per E-Mail beim Tagesspiegel-Kiezblog gemeldet hat. Auf dem Bild sei Lachmanns "arischer" Nachfolger Paul Behr zu sehen. Ein weiteres Indiz: Das Bild mit den drei Frauen - wahrscheinlich Mitarbeiterinnen - könne nicht aus den Zwanzigerjahren stammen, sondern müsse 1937 oder danach aufgenommen sein, da es außer Frau Senske keine weiblichen Angestellten bei Lachmann gegeben habe. Von Benedict Lachmann, der 1941 von den Nazis deportiert wurde und im Ghetto Lodz starb, seien bislang keine Bilder gefunden worden, sagt Wolfgang Scharf.

Die Ausführungen des Stolperstein-Stifters entsprechen den biographischen Angaben zu Benedict Lachmann in der Ausstellung "Wir waren Nachbarn" im Rathaus Schöneberg. Mit der heutigen Inhaberin des Buchladens, Christiane Fritsch-Weith, und mit Gerda Hollunder als Vertreterin des Vereins Quartier Bayerischer Platz, der die Ausstellung im U-Bahnhof mit initiierte, hat sich Wolfgang Scharf nun darauf verständigt, dass die Bildunterschrift entsprechend überarbeitet wird.

Gesucht: Erinnerungen an den historischen Buchladen

Hier im Tagesspiegel-Kiezblog wollen wir dies zum Anlass für einen Aufruf an unsere Leserinnen und Leser nehmen. Wir würden gern Genaueres über das historische Bild und die Historie des nun fast ein Jahrhundert lang kiezprägenden Buchladens herausfinden, in dem sich schon Albert Einstein und Gottfried Benn ihre Lektüre beschafften. Dazu fragen wir Sie, liebe Leserinnen, liebe Leser: Erinnern Sie sich an den Buchladen, als der noch direkt am Bayerischen Platz an der damaligen Einmündung der Speyerer Straße ansässig war, bevor das Haus Nummer 13/14 im Bombenkrieg zerstört wurde? Gab es in Ihrer Familie, Ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis solche Erinnerungen? Haben Sie historische Bilder, auf denen der Laden zu sehen ist? Kommen Ihnen die Menschen auf dem Bild oben bekannt vor? Erkennen Sie womöglich eine oder mehrere der darauf zu sehenden Menschen im Vergleich zu historischen Bildern Ihrer Familie, aus Ihrem Bekanntenkreis, aus dem Bayerischen Viertel? Bitte melden Sie sich unter der Email-Adresse bayerischesviertel@tagesspiegel.de oder schreiben Sie einen Kommentar unten auf dieser Seite. Sie können uns natürlich auch klassisch per Post erreichen, bitte adressiert an: Markus Hesselmann, Chefredakteur Online, Der Tagesspiegel, 10876 Berlin.

Buchladen Bayerischer Platz
Historisches Bild des Buchladens Bayerischer Platz, zu sehen in der Ausstellung zur Historie des Bayerischen Viertels im Zwischendeck des U-Bahnhofs Bayerischer Platz. Mehr Informationen zu dem Bild, das uns die heutige Buchhändlerin Christiane Fritsch-Weith freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, und einen Aufruf an unsere Leserinnen und Leser finden Sie in unserem Kiezblog Bayerisches Viertel.Alle Bilder anzeigen
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14.04.2015 09:24Historisches Bild des Buchladens Bayerischer Platz, zu sehen in der Ausstellung zur Historie des Bayerischen Viertels im...

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Ich heiße Markus Hesselmann, leite die Online-Redaktion des Tagesspiegels und lebe im Bayerischen Viertel. Mit meinen Kolleginnen und Kollegen schreibe ich über unseren wunderbaren Kiez. Über Historisches, Kulturelles, Aktuelles und besonders gern über bürgerschaftliches Engagement. Und dabei hoffe ich auf Ihre Unterstützung, liebe Leserinnen, liebe Leser. Schicken Sie Ihre Themen-Anregungen und Ihre Kritik an bayerischesviertel@tagesspiegel.de oder kommentieren Sie hier auf der Seite unter den Texten. Ich freue mich auf die Debatten!

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