Engagiert bei Aktion Sühnezeichen : Paten gesucht für freiwilliges soziales Jahr in Russland

Elise Kutnevic hat sich im Bayerischen Viertel an Erinnerungsprojekten beteiligt und sucht nun Paten für ihr freiwilliges soziales Jahr mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste. Haben auch Sie ein spannendes Projekt mit lokalem Bezug, das Sie hier im Kiezblog vorstellen möchten?

Elise Kutnevic
Elise Kutnevic an der Denkstein-Mauer der Löcknitz-Schule im Bayerischen Viertel. Die 18-jährige Schülerin sucht Paten zur Finanzierung ihres freiwilligen sozialen Jahres in Russland mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste.
Elise Kutnevic an der Denkstein-Mauer der Löcknitz-Schule im Bayerischen Viertel. Die 18-jährige Schülerin sucht Paten zur...Foto: privat

Mein Name ist Elise Kutnevic, ich bin 18 Jahre alt und wohne im Bayerischen Viertel. In diesem Jahr beende ich die Schule und bereite mich gerade auf mein freiwilliges soziales Jahr vor, dass ich ab September mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Russland leisten werde. Ich werde in St. Petersburg beim Jüdischen Häftlingsverband in der offenen Altenarbeit beschäftigt sein.

Das bedeutet, dass ich alte, einsame und hilfsbedürftige Menschen - oftmals Überlebende des Holocaust oder der Leningrader Blockade - zu Hause besuchen werde, um sie in ihrem Alltag zu unterstützen und ihnen Gesellschaft zu leisten. Dabei werden mir meine Russisch-Kenntnisse helfen, denn ich bin zweisprachig - mit einem russischen Vater und einer deutschen Mutter - aufgewachsen.

Die Stolpersteine und das Denkmal-Projekt "Orte des Erinnerns", die Denkstein-Mauer auf dem Schulhof der Löcknitz-Grundschule kenne ich schon, seit ich klein war. Auch ich habe mit meinen Schulkameradinnen und -kameraden einen Stein für eine jüdische Bewohnerin unseres Viertels auf die Denkstein-Mauer gelegt: für Martha Cohen, die in unserem Haus gewohnt hat und im September 1942 mit 82 Jahren in Theresienstadt gestorben ist. Vor unserem Haus liegt ein Stolperstein für sie.

"Orte des Erinnerns" im Bayerischen Viertel
Unter dem Titel "Orte des Erinnerns im Bayerischen Viertel: Ausgrenzung und Entrechtung, Vertreibung, Deportation und Ermordung von Berliner Juden in den Jahren 1933 bis 1945" entstand rund um den Bayerischen Platz in Schöneberg Anfang der 1990er-Jahre ein ungewöhnliches Denkmal.Weitere Bilder anzeigen
1 von 26Foto: Kitty Kleist-Heinrich
05.06.2014 08:35Unter dem Titel "Orte des Erinnerns im Bayerischen Viertel: Ausgrenzung und Entrechtung, Vertreibung, Deportation und Ermordung...

In der 10. Klasse habe ich mich im Rahmen einer Präsentation zum Mittleren Schulabschluss mit der Entrechtung, Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung und dem Gedenken daran am Beispiel des Bayerischen Viertels beschäftigt. Nun werde ich in St. Petersburg jüdischen Überlebenden helfen. Mit dieser praktischen Arbeit möchte ich einen kleinen Beitrag dazu leisten, das Versprechen einer „Art verspäteten Verwandtschaft“ einzulösen, dass eine Anwohnerin bei der Stolpersteinverlegung in der Jenaer Straße vor kurzem öffentlich ausgesprochen hat.

Stolpersteine: Es waren eine und einer und eine und einer und noch einer ...
Sie waren Nachbarn - in der Jenaer Straße im Bayerischen Viertel: Hier wohnte Leonhard Wohl, hier wohnte Cara Wohl - beide von den Nazis ermordet in Auschwitz.Weitere Bilder anzeigen
1 von 32Foto: Mike Wolff
28.04.2014 14:15Sie waren Nachbarn - in der Jenaer Straße im Bayerischen Viertel: Hier wohnte Leonhard Wohl, hier wohnte Cara Wohl - beide von den...

Für diese Aufgabe suche ich noch Unterstützung. Ein Freiwilligendienst kostet Geld - für Reise und Aufenthalt, Versicherung, Vorbereitung und Begleitung der Freiwilligen durch mehrere Seminare. Einen Eigenbeitrag leisten die Freiwilligen bzw. deren Eltern, weitere Zuwendungen erhält Aktion Sühnezeichen durch EU, Bund, Länder, Stiftungen, die evangelischen Landeskirchen, Spenden und Kollekten.

Darüber hinaus sind wir als Freiwillige verpflichtet, so genannte Patinnen und Paten zu gewinnen, die unsere Arbeit mit monatlich 15 Euro für ein Jahr oder einmalig 180 Euro unterstützen. Bitte helfen Sie mir dabei und melden sich bis 30. Juni 2014 unter elise.kutnevic@hotmail.de oder Tel. 030 78704547 bzw. 0176 30790525. Alle Patinnen und Paten bekommen zwei ausführliche Projektberichte über meine Arbeit in St. Petersburg. Vielen Dank!

Haben auch Sie ein interessantes Projekt mit lokalem Bezug, das Sie hier im neuen Kiezblog Bayerisches Viertel vorstellen möchten? Dann wenden Sie sich einfach per Email an: bayerischesviertel@tagesspiegel.de. Den neuen Tagesspiegel-Kiezblog zum Bayerischen Viertel finden Sie hier.

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Ich heiße Markus Hesselmann, leite die Online-Redaktion des Tagesspiegels und lebe im Bayerischen Viertel. Mit meinen Kolleginnen und Kollegen schreibe ich über unseren wunderbaren Kiez. Über Historisches, Kulturelles, Aktuelles und besonders gern über bürgerschaftliches Engagement. Und dabei hoffe ich auf Ihre Unterstützung, liebe Leserinnen, liebe Leser. Schicken Sie Ihre Themen-Anregungen und Ihre Kritik an bayerischesviertel@tagesspiegel.de oder kommentieren Sie hier auf der Seite unter den Texten. Ich freue mich auf die Debatten!

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