Erzieher in einer Kita : Nicht nur Frauensache

Hausmeister, Vorleser, Putzkraft: Jens Baier arbeitet in einer Kita im Bayerischen Viertel. Noch immer sind mehr als 97 Prozent aller Erzieher weiblich. Das soll sich ändern.

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Ein Mann für alle Fälle: Jens Baier ist Erzieher in der Eltern-Initiativ-Kita „Prinz Güntzel“ im Bayerischen Viertel.
Ein Mann für alle Fälle: Jens Baier ist Erzieher in der Eltern-Initiativ-Kita „Prinz Güntzel“ im Bayerischen Viertel.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Mittwochmorgen, 7.45 Uhr, Jens Baier, in Jeans und Sandalen, ist jetzt Hausmeister. Er schließt die Tür auf, reißt die Fenster auf, schiebt kleine Stühle umher.

Mittwochmorgen, 8 Uhr, Jens Baier, kurze graublonde Haare – früher langhaarig, vollbärtig – ist Sekretär. Er räumt die Spülmaschine aus, kocht Kaffee, geht ans Telefon, notiert, welche Kinder heute nicht kommen, merkt sich, dass Julius von seinem Bruder Felix abgeholt wird und wer nachher zu Basiles Geburtstag eingeladen ist.

9 Uhr, Jens Baier, tiefe, ruhige Stimme, ein Tattoo auf dem Unterarm, ist Kellner. Er deckt fünf kleine Tische mit Milchflaschen und Käsetellern, er schneidet Körnerbrot auf.

Baier, 40 Jahre, ist Erzieher in der Eltern-Initiativ-Kita „Prinz Güntzel“ in Wilmersdorf. Mit zwei Kolleginnen betreut er 22 Kinder zwischen zwei und sechs Jahren. Damit gehört er zu den unter drei Prozent männlichen Erziehern bundesweit, unter sechs Prozent sind es in Berlin. Auf Fortbildungen ist er oft einer von drei Männern unter 20 Frauen.

„Das liegt an veralteten und stereotypen Geschlechterbildern“, sagt Jens Krabel, Koordinator bei „Mehr Männer in Kitas“– der Bund und der Europäische Sozialfonds investieren für das Projekt 13 Millionen Euro. Auch die Kampagne „Vielfalt Mann – sei alles, werde Erzieher“ wurde so finanziert.

Wirklich erforscht, ob es einen Unterschied macht, ob Kinder von Männern und Frauen oder nur von Frauen erzogen werden, ist es zwar nicht. „Mann sein als Qualitätsmerkmal allein genügt nicht“, sagt Krabel. „Aber, wenn wir sagen 50 Prozent Frauen in Vorstände, müssen wir auch 50 Prozent Männer in Kitas fordern.“ Die Angst der einzige Mann zu sein, sich als Außerirdischer gegen eine Horde Frauen durchsetzen zu müssen, sei für viele Männer Grund, nicht Erzieher zu werden.

Wegen des neuen Rechtsanspruchs auf einen Kitaplatz werden in Berlin Tausende zusätzliche Kitaplätze benötigt. Da braucht es künftig auch mehr Männer als Erzieher.

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