Holocaust-Gedenken : Video: Inge Deutschkron liest ihre Bundestags-Rede im Berliner Kiez

Die Holocaust-Überlebende und Autorin Inge Deutschkron feiert heute ihren 95. Geburtstag. Hier noch einmal unser Video, in dem sie ihre Bundestagsrede im Berliner Kiez vorträgt.

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Inge Deutschkron liest ihre Rede "Zerrissenes Leben", die sie zum Holocaust-Gedenktag 2013 im Bundestag hielt, im Abgeordnetenbüro von Franziska Becker (SPD) in Berlin-Wilmersdorf.
Inge Deutschkron, Holocaust-Überlebende und Autorin des Buchs "Ich trug den gelben Stern", liest ihre Rede "Zerrissenes Leben",...Foto: Hendrik Lehmann

"Nichts konnte darüber hinwegtäuschen, dass die Lage der Juden von Berlin immer kritischer wurde", sagt Inge Deutschkron, Autorin des autobiographischen Buchs "Ich trug den gelben Stern", in ihrer bewegenden Rede, die sie zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus 2013 im Bundestag hielt. "Fast täglich gab die Regierung neue Gesetze, neue Vorschriften, neue Verbote für Juden bekannt, nach denen wir leben mussten. In ein so genanntes 'Judenhaus' eingewiesen, mussten sich immer zwei Personen ein Zimmer teilen. Um unsere Ausgrenzung perfekt zu machen, wurden die Telefonkabel durchschnitten, nahm man uns die Radioapparate weg."

Das "Judenhaus", von dem Inge Deutschkron spricht, stand in der Bamberger Straße an der Ecke Güntzelstraße, im Bayerischen Viertel, dem jüdisch geprägten Berliner Kiez, in dem die Geschichte der Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung der Juden durch die "Orte des Erinnerns", durch die Ausstellungen im Café Haberland und im Rathaus Schöneberg sowie nicht zuletzt durch die vielen Stolpersteine gegenwärtig ist.

Inge Deutschkron hat das, was für die meisten von uns Geschichte ist, als junge Frau selbst erleben müssen. In ihrer Rede beschreibt sie die alltäglichen Drangsalierungen, die Renata Stih und Frieder Schnock in ihrem dezentralen Kunstwerk "Orte des Erinnerns" aufgegriffen haben: "Der Gang zum Friseur wurde verboten, sowie das Waschen unserer Wäsche in einem Salon. Seife durfte uns nicht verkauft werden. Auch Eier und Kuchen nicht. Das Einkaufen der wenigen uns zugeteilten Lebensmittel war nur zwischen 16 und 17 Uhr erlaubt. Besuche von Kulturstätten waren Juden als erstes untersagt worden: es schloss den Spaziergang 'im Grünen' ein. Haustiere wurden Opfer der angeblichen 'Rasse ihrer Herrchen'. Ach, es muss zu jener Zeit eine Riege von Unmenschen im Reichsinnenministerium beschäftigt worden sein, deren einzige Aufgabe es war, darüber nachzudenken, wie man Leben zur Qual macht."

"Orte des Erinnerns" im Bayerischen Viertel
Unter dem Titel "Orte des Erinnerns im Bayerischen Viertel: Ausgrenzung und Entrechtung, Vertreibung, Deportation und Ermordung von Berliner Juden in den Jahren 1933 bis 1945" entstand rund um den Bayerischen Platz in Schöneberg Anfang der 1990er-Jahre ein ungewöhnliches Denkmal.Weitere Bilder anzeigen
1 von 26Foto: Kitty Kleist-Heinrich
05.06.2014 08:35Unter dem Titel "Orte des Erinnerns im Bayerischen Viertel: Ausgrenzung und Entrechtung, Vertreibung, Deportation und Ermordung...

Inge Deutschkron hat den Holocaust überlebt, untergetaucht in Berlin und Brandenburg, mit Glück, durch ihren Lebenswillen und mit Hilfe von Menschen, die sich der Nazi-Ideologie nicht unterwerfen wollten und es auch als einen Akt des Widerstands empfanden, den Ausgegrenzten und mit dem Tode Bedrohten zu helfen. Es waren viel zu wenige Menschen, die halfen, das klingt in Inge Deutschkrons Büchern wie in ihrer Rede immer wieder an. Auch über die Zeit nach 1945, in der von ihr als Jüdin verlangt wurde, sich doch nicht so zu haben und endlich zu vergeben, findet sie deutliche Worte.

Ihre Rede aus dem Hohen Haus hat Inge Deutschkron jetzt noch einmal vorgetragen: vor drei Jahren mitten im Berliner Kiez, im Wilmersdorfer Abgeordnetenbüro von Franziska Becker (SPD). Hier dazu das Video-Dokument, die Lesung in voller Länge:

Video
Inge Deutschkron: "Zerrissenes Leben"
Inge Deutschkron: "Zerrissenes Leben"

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