Hund und Herr : Sauerei am Schöneberger Rathaus

Helmut Schümann hat einen Hund und schreibt immer montags im Tagesspiegel über sein Leben als Welpenassistent in Berlin. Diesmal geht es um zweibeinige Vorbilder für Hunde im Volkspark Schöneberg. Und um eine Sauerei am See.

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Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann mit Hund Wilmer.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann schaut diesmal Wildschweinen zu.Foto: privat

Dass Hunde mitunter auch Schweine sind, würde Wilmer, wenn er denn könnte, vehement abstreiten. Er ist aber der lebende Beweis dafür – wenn er am und im Wasser war und sich anschließend durch Matsch und Schlamm wälzt. Und wer muss nachher die Handtücher waschen, mit denen Wilmer halbwegs trocken gerubbelt werden will? Und wer muss den Dreck aus der Wohnung fegen, saugen, wischen, der dann aus dem trockenen Fell zu Boden rieselt? Der Dödel, der Welpenassistent. Wenn Wilmer könnte, würde er sich jetzt mit einem schlagenden Argument verteidigen: „Und von wem habe ich die Sauerei? Vom Zweibeiner!“

Es gibt ja auch Menschen, die sich nach dem Bad in Fango-Matsch legen. Aber das hat der Assi noch nie getan und Dr. Frauchen auch nicht. Dafür ist er, der Assi, dieser Tage mit Wilmer durch Schöneberg spaziert. Sie waren auf dem Weg durchs Bayerische Viertel zum Volkspark. Über dem U-Bahnhof Rathaus Schöneberg sprang Wilmer Richtung Wasser, dem kleinen See neben der Station. Neben der Glasfront des Bahnhofs ist ein schmaler Mauervorsprung. Der ist beliebter Treffpunkt vieler Menschen, Jugendlicher, Schüler, auch Kiffer, wie der Assi noch aus seiner Zeit als Pubertistenvater weiß.

Eine Ursuppe aus Müll

Auf diesen Mauervorsprung also sprang Wilmer, rutschte aus und plumpste ins Wasser. Obwohl das Wasser dieses Teichs sich eher am anderen Ufer befindet, da, wo die Enten schwimmen und es flach ist. Das Wasser an der Mauerseite ist zu tief für einen Welpen und eher eine Kloake. Sie besteht aus einer Ursuppe aus Pappbechern, Papptellern, Alufolien, in denen vormals Döner steckten, Servietten, Kippen, eine Binde schwamm herum, dazu Kondome, Plastikbesteck, Pappschalen für Asia-Food. Der Assi hat in Asien mal Kloaken gesehen, so sieht es da aus am ruhmreichen Schöneberger Rathaus.

„Ish bin ain Barliner!“, hat hier mal ein berühmter Amerikaner ausgerufen. Wenn er diesen Teich sehen könnte, möchte er es wohl nicht mehr sein. Und in dieser Sauerei steckte Wilmer und kam nicht mehr raus. Was tun? Der Assi zog die Schuhe aus, watete in den Mist, steckte drin bis zum Oberschenkel, hob Wilmer raus, fluchte auf die schweinischen Zweibeiner. Und Wilmer? Der wälzte sich fröhlich im nächsten Matsch. Wie der Assi aussah und roch, will man nicht wissen.

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