Kaffee und Kultur bei der BVG : U-Bahnhof als neuer Kiezmittelpunkt

Im Bayerischen Viertel soll ein neuer Bahnhofsbau zum Kiezmittelpunkt werden - mit Kaffee und Kultur. Die BVG baut auf Anregung des Vereins Quartier Bayerischer Platz.

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Und so soll es aussehen: U-Bahnhof, Kaffeehaus und Ausstellung, der neue Kiezmittelpunkt am Bayerischen Platz. Im gläsernen Pavillon oben wird es eine Ausstellung zur Geschichte des Bayerischen Viertels geben.
Und so soll es aussehen: U-Bahnhof, Kaffeehaus und Ausstellung, der neue Kiezmittelpunkt am Bayerischen Platz. Im gläsernen...Simulation: Architekturbüro Die Brücke

Die gepflegte Kaffeetafel hat bei der BVG durchaus Tradition. Schon 1902, bei der Eröffnung der ersten Strecke der Berliner U-Bahn zwischen Stralauer Tor und Potsdamer Platz, dachten die Planer an Süßkulinarisches und siedelten im Bahnhof Schlesisches Tor eine Konditorei an – neben einem Restaurant und einem Zigarettenladen. Heute herrscht in hiesigen U-Bahnhöfen eher Fastfood- und Backshop-Unwesen. Das soll am Bayerischen Platz nun anders werden. Mit dem groß angelegten, zweistöckigen Bahnhofsneubau soll Kaffeehauskultur in den gastronomisch durchaus noch entwicklungsfähigen Kiez einziehen. Betreiben soll das Café die Firma Apeccino, in Berlin bislang vor allem mobil mit ihren roten Oldtimer-Dreirädern samt Espresso- und Prosecco-Ausschank anzutreffen.

Das neue Bauwerk auf dem Bayerischen Platz lädt aber nicht nur zur gastronomischen, sondern auch zur historischen Einkehr. Eine Ausstellung über die insbesondere jüdisch geprägte Geschichte des Bayerischen Viertels wird einziehen samt Veranstaltungen zu historischen und aktuellen Themen. So kann hier mal ein Bahnhof zum Kiezmittelpunkt werden.

Jetzt informierte der Verein „Quartier Bayerischer Platz“, der das Bauprojekt maßgeblich mit angestoßen hat, die Anwohner mit einem Stand vor dem Rohbau über die Planungen. Mit aller in Berlin bei Bauprojekten gebotenen Vorsicht geht der Verein, eine Interessenvertretung von Anwohnern und Ladeninhabern, von einer Eröffnung im kommenden September aus.

So sah der ursprüngliche, vom Verein Quartier Bayerischer Platz angestoßene und vom Büro vanderbel architekten ehrenamtlich geplante Entwurf aus. Mehr dazu hier und vor allem hier.
So sah der ursprüngliche, vom Verein Quartier Bayerischer Platz angestoßene und vom Büro vanderbel architekten ehrenamtlich...Simulation: vanderbel architekten

„Wir wollen die Geschichte des Viertels über die Menschen erzählen, die hier gelebt haben“, sagt Monica Geyler-von Bernus vom Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart, das die Ausstellung konzipiert. Angefangen bei Georg Haberland, dem jüdischen Gründervater des Viertels, das Anfang des 20. Jahrhunderts auf die Schöneberger Vorstadtwiesen gebaut wurde. Und längst nicht aufgehört bei prominenten Bewohnern wie dem Physiknobelpreisträger Albert Einstein, der Fotografin Gisèle Freund oder dem Schriftsteller Alfred Kerr.

Viele Bewohner wurden von den Nazis ermordet oder zum Untertauchen oder zur Flucht gezwungen. In der Dauerausstellung „Wir waren Nachbarn“ im Rathaus Schöneberg werden die Schicksale prominenter und nicht prominenter Bewohner in persönlichen Alben nachgezeichnet. Die neue Ausstellung im U-Bahnhof sei auch als Anreiz gedacht, hier gewonnene Eindrücke dann bei „Wir waren Nachbarn“ zu vertiefen, sagt Monica Geyler-von Bernus.

Und das war das alte Gebäude des U-Bahnhofs Bayerischer Platz.
Foto: vanderbel architekten

Während die Schau im Rathaus die Aura eines Lesesaals hat, geht es im gläsernen Pavillon auf dem Bahnhof multimedial zu. Das audiovisuelle Equipment kommt auch den Veranstaltungen zugute. Im November zum Beispiel wird der Mauerfall thematisiert. Worin liegt da noch gleich der Bezug zum Viertel? Beim Rathaus Schöneberg! Vom Balkon aus wurde dort am 10. November 1989 der Mauerfall mehr oder weniger hymnisch besungen.

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Ich heiße Markus Hesselmann, leite die Online-Redaktion des Tagesspiegels und lebe im Bayerischen Viertel. Mit meinen Kolleginnen und Kollegen schreibe ich über unseren wunderbaren Kiez. Über Historisches, Kulturelles, Aktuelles und besonders gern über bürgerschaftliches Engagement. Und dabei hoffe ich auf Ihre Unterstützung, liebe Leserinnen, liebe Leser. Schicken Sie Ihre Themen-Anregungen und Ihre Kritik an bayerischesviertel@tagesspiegel.de oder kommentieren Sie hier auf der Seite unter den Texten. Ich freue mich auf die Debatten!

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