Kriminalität im Bayerischen Viertel : Sogar bei der Kirche wurde eingebrochen

Nachrichten über Einbrüche verunsichern viele Anwohner im Bayerischen Viertel. Deshalb organisierten sie einen Info-Abend mit Experten in der Heilsbronnen-Kirche - in deren Gemeindezentrum auch schon eingebrochen wurde.

von und Alina Rapoport
Dunkelmann. Die Zahl der Einbrüche in Berlin ist besorgniserregend.
Dunkelmann. Die Zahl der Einbrüche in Berlin ist besorgniserregend.Foto: dpa

Kurz nach dem abendlichen Gottesdienst treffen sie ein: Anwohner, die sich informieren wollen, wie sie ihre Wohnung am effektivsten sichern können. Denn die Nachrichten über  Einbrüche haben viele verunsichert. Organisiert vom Verein „Quartier Bayerischer Platz“, fand am Donnerstagabend die Veranstaltung zur Einbruchsprävention in der Kirche zum Heilsbronnen in Schöneberg statt.

Florian Kunz, seit Dezember 2013 Pfarrer in der Kirche, hatte sofort zugesagt, der Veranstaltung einen Platz zu geben: „Auch bei uns im Gemeinderaum ist mehrmals eingebrochen worden“, erzählt Kunz. Deshalb sei es gut, wenn die Anwohner lernten, sich zu schützen. Renate Friedrichs, die Organisatorin der Veranstaltung, erklärt, dass in der Zeit um Weihnachten allein in einem Lokal in der Nähe drei Mal eingebrochen wurde. Auch sonst seien Einbrüche häufiger vorgekommen. Dennoch sagt Andreas Knop, Präventionsbeauftragter im Abschnitt Schöneberg Süd und Friedenau, dass das Bayerische Viertel keinen Brennpunkt darstelle. „Sicher, es gibt Einbrüche. Die Lage ist aber aus unserer Sicht nicht besorgniserregend.“

Nach Einschätzung des Präsidiums sind die besser situierten Westbezirke die beliebtesten Orte der Einbrecher. Kürzlich hatte der Chefermittler Wilmersdorf, Schmargendorf, Grunewald, Dahlem, Kladow, Gatow, Frohnau und Hermsdorf genannt. Nach dem Rekordjahr 2012 mit fast 9800 Wohnungseinbrüchen waren es im abgelaufenen Jahr zwar acht Prozent weniger, aber immer noch knapp 9000. Und die Zahl der Einbrüche in Einfamilienhäuser und Villen – diese werden getrennt erfasst – war erneut gestiegen, und zwar um drei Prozent auf 2600. Und die Aufklärungsquote, ist gering: Sie betrug 2013 genau 7,3 Prozent.

Gemeinsam wollen die Nachbarinnen Evelyn Einholz, Ingrid Lang und Sibylle Einholz (von rechts) ihr Haus vor Einbruch schützen.
Gemeinsam wollen die Nachbarinnen Evelyn Einholz, Ingrid Lang und Sibylle Einholz (von rechts) ihr Haus vor Einbruch schützen.Foto: Alina Rapoport

Innensenator Frank Henkel (CDU) und Polizeipräsident Klaus Kandt haben das Delikt deshalb in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gestellt. 1850 Beratungsgespräche gab es im Präsidium, 1350 weitere in Wohnungen und Häusern. Kürzlich haben Beamte der für den Südosten der Stadt zuständigen Polizeidirektion 6 alle Einbruchsopfer aufgesucht und beraten. Jede Woche sind die Präventionsbeauftragten in Gemeinden, Vereinen oder Kiezinitiativen präsent. Im November hatte Polizeipräsident Kandt an einem solchen Info-Abend in Nikolassee auf Einladung der CDU die Bürger aufgefordert, selbst mehr in die Sicherheit zu investieren – was nicht so gut ankam.

In der Schöneberger Kirche erzählt eine Rentnerin, dass bei ihr Fremde vor einem Jahr versucht hätten, in die Wohnung einzubrechen. Zwei Mal. Sie fand Beschädigungen an ihrer Tür vor. „Ich möchte wissen, wie ich mich am besten schützen kann“, sagt sie. Am Ende ist sie dennoch unzufrieden. „Die Veranstaltung hat mir nichts gebracht“, erklärt sie. Es sei einfach unmöglich, eine Wohnung komplett einbruchssicher machen. „Wenn sogar in der Bank in meiner Nähe eingebrochen wurde, dann kann ich nicht viel ausrichten.“ Eine Nachbarin will sie beruhigen: „Wir passen gegenseitig auf einander auf.“ Andere Teilnehmer haben durchaus etwas gelernt. „Wir haben den entscheidenden Tipp bekommen, wie wir unsere Eingangstür effektiv schützen können“, sagt Ingrid Lang. Auch ihre Nachbarin Sibylle Einholz fand den Vortrag hilfreich. Sie werde nun ihre Fenster zusätzlich sichern. Ihre Schwester, Evelyn Einholz, ist ebenfalls zufrieden. „Nun weiß ich, wie ich Einbrüchen am besten vorbeugen kann“, sagt sie.

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