Lesermeinung : Marcel Reich-Ranicki erhält Gedenktafel

Tagesspiegel.de-Redaktionsleiter Markus Hesselmann fragte vor kurzem bei der Gedenktafelkommission an, ob für Marcel Reich-Ranicki eine Gedenktafel in Planung sei. Hier antwortet ihm nun die Vorsitzende des Aktiven Museums, Dr. Christine Fischer-Defoy.

Christine Fischer-Defoy
Marcel Reich-Ranicki (1920 - 2013)
Marcel Reich-Ranicki (1920 - 2013)Foto: dpa

Sehr geehrter Herr Hesselmann,

herzlichen Dank für die öffentliche Nachfrage nach einer Gedenktafel für Marcel Reich-Ranicki in Berlin. Sie ist – anders als in Ihrem Text dargestellt – längst in Arbeit und wird anlässlich des ersten Todestages am 18.9.2014 angebracht werden. Das „Aktive Museum Faschismus und Widerstand“, das zur Zeit mit dem Programm „Berliner Gedenktafeln“ vom Berliner Senat betraut ist, hat bereits im November des vergangenen Jahres auf Anregung von Staatssekretär André Schmitz für diese Tafel die Verantwortung übernommen. Die GASAG als derzeitiger Hauptsponsor der bekannten weiß-blauen KPM-Tafeln hat freudig eine Finanzierung zugesichert. Der Text der Tafel ist abgestimmt. Allein: mit der richtigen Adresse gibt es noch offene Fragen. Denn die Familie Reich, die 1929 aus Polen nach Berlin zog, ist in den folgenden Jahren sehr häufig umgezogen und hat zudem oft als Untermieter bei wohlhabenderen Verwandten des Vaters David Reich oder der Mutter mit Geburtsnamen Helene Auerbach gewohnt.

Das Leben von Marcel Reich-Ranicki in Bildern
Deutschlands Literaturpapst. Marcel Reich-Ranicki, 2. Juni 1920 - 18. September 2013.Weitere Bilder anzeigen
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18.09.2013 16:45Deutschlands Literaturpapst. Marcel Reich-Ranicki, 2. Juni 1920 - 18. September 2013.

So kommen unter anderem folgende Adressen in Frage: die Ankunftsadresse 1929 in der Roonstraße 2, die Apostel-Paulusstraße 19, von der aus Marceli Reich das Werner von Siemens-Realgymnasium im Bayrischen Viertel besuchte, die von Ihnen genannte Güntzelstraße 53, von der aus er in das Fichte-Gymnasium in der Emser Straße ging, oder seine letzte Berliner Adresse in der früheren Wohnung von Bertolt Brecht und Helene Weigel in der Spichernstraße 16, von der aus Marceli Reich als polnischer Staatsbürger am 28. Oktober 1938 im Rahmen der NS-„Polenaktion“ verhaftet und nach Polen deportiert wurde.

Mit der Entscheidung hierüber sind wir zur Zeit noch befasst. Wir können Ihnen aber versichern, dass es zum ersten Todestag von Marcel Reich-Ranicki eine „Berliner Gedenktafel“ für ihn in Berlin geben wird.

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Christine Fischer-Defoy
Vorsitzende des Aktiven Museum

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