Nach Attentat im November 1974 : 20.000 Menschen trauerten um Günter von Drenkmann am Rathaus Schöneberg

Vor 40 Jahren ehrten 20.000 Menschen Günter von Drenkmann am Rathaus Schöneberg. Terroristen hatten den Präsidenten des Berliner Kammergerichts erschossen.

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Trauerfeier für Günter von Drenkmann, der von der Bewegung 2. Juni ermordet wurde, am 21. November 1974 vor dem Rathaus Schöneberg.
Trauerfeier am Rathaus Schöneberg. 20.000 West-Berliner versammelten sich vor genau 40 Jahren am Rathaus Schöneberg, wo die...Foto: picture alliance / Chris Hoffman

Günter von Drenkmann war Kammergerichtspräsident in Berlin, als am 10. November 1974 Terroristen in sein Haus eindrangen. Drenkmann wurde durch eine Schusswaffe schwer verletzt und starb noch am selben Tag im Krankenhaus. Der Anschlag ist jetzt 40 Jahre her, das Begräbnis jährt sich an diesem Freitag zum 40. Mal. Der Bericht von der Trauerfeier war damals Aufmacher im Tagesspiegel; 20.000 Berliner waren zum John-F.-Kennedy-Platz vor dem Rathaus Schöneberg gekommen, dazu die Spitzenrepräsentanten der Bundesrepublik in Gestalt von Bundespräsident Walter Scheel, Bundesverfassungsgerichtspräsident Ernst Benda und dem damaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz. Alle drei Trauerredner „setzten sich eindringlich für die Bewahrung der rechtsstaatlichen Ordnung vor jeder Art von Extremismus ein“, schrieb der Tagesspiegel. Der Wortlaut der Ansprachen am Rathaus Schöneberg wurde im Innenteil der Zeitung dokumentiert.

Extremismus – das Thema ist geblieben, auch wenn heute eher Rechtsextremismus und Islamismus das Land beschäftigen. Die Siebziger waren die Zeit des Linksterrorismus durch die Rote Armee Fraktion (RAF) und ihre Gesinnungsgenossen, zu denen auch die Bewegung 2. Juni gehörte.

Brigitte Grunert schaut sich im Rathaus Schöneberg um
Das Rathaus Schöneberg feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. Eine Reporterin, die das Haus in und auswendig kennt, ist Brigitte Grunert. Sie war angemeldet für einen Rundgang, um ihre vielen Erinnerungen an das altehrwürdige Haus aufzufrischen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 62Foto: Kai-Uwe Heinrich
28.04.2014 18:38Das Rathaus Schöneberg feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. Eine Reporterin, die das Haus in und auswendig kennt, ist...

Das Drenkmann-Attentat und die Entführung des CDU-Politikers Peter Lorenz drei Tage vor der Abgeordnetenhauswahl 1975 blieben in Berlin die einzigen beiden Fälle des Linksterrorismus der damaligen Zeit. Peter Lorenz wurde nach fünf Tagen freigelassen; dafür entließ man auch fünf gefangene Terroristen. Die Lorenz-Entführung war damit der einzige Versuch der Bewegung 2. Juni, Strafgefangene für eine Geisel auszutauschen, der auch tatsächlich mit einem Austausch endete. Bei der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer 1977 in Köln verlangte die RAF die Freilassung von elf Gefangenen; der Staat ließ sich nicht darauf ein. Auch die Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut nach Mogadischu änderte daran nichts. Die Spezialtruppe GSG 9 befreite die Geiseln; die RAF erschoss Schleyer.

Bewegung 2. Juni bekannte sich zur Tat, doch der Mord blieb ungesühnt

Das Verbrechen an Günter von Drenkmann blieb ungesühnt. Es gab zwar einen langwierigen Prozess, doch konnten Tat und Täter nicht zweifelsfrei zugeordnet werden, und so ergingen Freisprüche. Die Bewegung 2. Juni hatte sich zu der Tat bekannt. Sie bezeichnete sie als Aktion gegen einen Verantwortlichen für die Ermordung eines Genossen. Am Tag zuvor war RAF-Mitglied Holger Meins an den Folgen seines Hungerstreiks in der JVA Wittlich in der Eifel gestorben.

Seit sechs Jahren erinnert in Westend eine Gedenktafel an Drenkmann; eine Straße in Berlin wurde bisher nicht nach ihm benannt. Zum 30. Todestag vor zehn Jahren war dies diskutiert worden, ohne Ergebnis. Eine aktuelle Nachfrage bei der Justizverwaltung ergab, dass Sache und Person in Vergessenheit geraten sind. Dabei taugte Günter von Drenkmann gar nicht als Feindbild. Er galt als warmherzig und integer; als liberaler Sozialdemokrat hatte er sich den Nazis verweigert. Sein 64. Geburtstag fiel auf den 9. November. Einen Tag später war Günter von Drenkmann tot. Wiederum elf Tage später versammelten sich 20.000 Menschen zu seinen Ehren am Rathaus Schöneberg.

Am heutigen Freitag wird im Deutschen Historischen Museum die Ausstellung „RAF. Terroristische Gewalt“ eröffnet. Sie setzt sich mit den Hintergründen und der Entstehungsgeschichte der RAF auseinander. Eine Besprechung der Ausstellung fnden Sie hier.

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