Restaurantkritik zu Wolff & Eber : Rehragout orientalisch

Eine Schöneberger Adresse, perfekt für Intellektuelle und Feingeister, findet unsere Restaurantkritikerin Elisabeth Binder: syrisch-märkische Küche und spannende Salons.

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Das Ambiente schlicht, die Küche raffiniert und wohlschmeckend: Das Wolff & Eber im Bayerischen Viertel.
Das Ambiente schlicht, die Küche raffiniert und wohlschmeckend: Das Wolff & Eber im Bayerischen Viertel.Foto: Mike Wolff

Der Restaurantchef ist eigentlich Verleger und der Küchenchef ein Mediendesigner, der vor zwei Jahren von Aleppo nach Berlin geflohen ist. Der Kellner immerhin behauptete von sich, Gastronomiefachkraft zu sein, obwohl er in meiner Wahrnehmung eher dem jungen Rilke ähnelte. Im syrisch-märkischen Restaurant Wolff & Eber in der Kulmbacher Straße 15 im Bayerischen Viertel brennen weiße Kerzen in silbernen Haltern auf dicken Holztischen; ansonsten ist die Einrichtung mit viel Glas und Weiß eher schlicht. Wer gerne unter Intellektuellen und sonstigen Feingeistern speist, ist hier genau richtig. Salons mit spannenden Lesungen gibt es auch, dafür ist dies ohnehin das richtige Viertel.

Da schaut man schon mal drüber hinweg, dass der Klostersekt etwas ungerecht verteilt ist, kühl und gut gefüllt das eine Glas, der wärmere Rest aus einer fast ausgetrunkenen Flasche im anderen (4 Euro).

Syrisch-märkisch - köstlich

Die Vorgerichte gibt es in kleinen und großen Portionen; das ist immer gut und sollte auch auf die Hauptspeisen ausgedehnt werden. Schon bei den syrischen Vorspeisen-Variationen wurde deutlich, dass Hadi Nsreeny die letzten beiden Jahre extrem gut genutzt hat. Baba Ganoush, Auberginenpüree mit Sesampaste und nicht zu knapp Knoblauch, war noch mit Granatapfelkernen verfeinert und überzeugte durch eine raffinierte Würzung. Hummus hatte eine ausgesprochen angenehme, grobkörnige Konsistenz, und auch der weiche, syrische Frischkäse „Labneh“ war mit Kräutern gut in Szene gesetzt. Dazu gab es dicke Kapern und Granatapfelkerne (klein: 8 Euro).

Die glatt pürierte Kayadi-Suppe war sehr sättigend und hatte einen intensiven Geschmack nach 1001 Nacht, den neben Kartoffeln, Ingwer, Karotten, Kokosmilch und Sellerie vor allem einige kennenswerte Gewürzgeheimnisse herbeigeführt haben müssen (5 Euro). Die Wildmaultaschen mit Walnusspesto entstammten dem märkischen Programm. Der Teig al dente, die Füllung sehr fein, dazu eine hübsche Garnitur aus Wildkräutern und Pesto-Girlanden, da gab es nichts zu meckern (13 Euro).

Richtig lecker – hier muss man es einfach mal so sagen – war das orientalische Rehragout, das um ein Küchlein Reis mit gelben Rosinen drapiert war. Eine respektable Portion, aber es war am Ende einfach schwer, mit dem Essen aufzuhören. Das Fleisch war gut gegart in einer unter anderem mit Kreuzkümmel gewürzten, süßlichen orientalischen Sauce, die auch noch getrocknete Feigen und Cashewkerne enthielt. Keine leichte Kost, aber jede Sünde Wert (19 Euro).

Genuss ohne Ende

Den süßen Käse mit Pistazien „Knofeh“ teilten wir uns zum Dessert. Ein eindrucksvolles Stück, das von der Optik an Bakhlava erinnerte und vom Geschmack an einen weichen, warmen Käsekuchen. Dazu passte erstaunlich gut ein Kallstädter Saumagen Riesling Kabinett (23 Euro). Die Wildpasteten am Nachbartisch sahen auch verlockend aus, und der märkische Matjes-Salat hätte mich ebenfalls gereizt. Macht nichts, dies ist definitiv ein Restaurant zum Wiederkommen.

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