Saubere Sache im Bayerischen Viertel : Die Nachbarschaft zum Blühen bringen

Am Bayerischen Platz in Schöneberg wird die Parkanlage gepflegt – und die Geschichte des Viertels.

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Hach ist der Rasen schön grün: Der Verein Quartier Bayrischer Platz kümmert sich um die Grünflächen und Parkanlagen in der Umgebung.
Hach ist der Rasen schön grün: Der Verein Quartier Bayrischer Platz kümmert sich um die Grünflächen und Parkanlagen in der...Foto: Vincent Schlenner

Am leichtesten entsteht der Kontakt, sagt Renate Friedrichs, wenn sie die Blumen wässert. Dann entspinnt sich zwischen Passanten am Bayerischen Platz und ihr schnell ein Gespräch über den Schmutz auf der Grünfläche und wer sich eigentlich darum kümmert. Der Bayerische Platz soll belebter werden, meint Friedrichs, die im Verein Quartier Bayerischer Platz für Bürgeranliegen zuständig ist, und die Grünfläche ist dabei der Anfang. Seit 2007 engagieren sich im Verein lokale Unternehmer – aus dem Reformhaus an der Ecke, dem Süßigkeiten-, Papier- und Hörgeräteladen – gemeinsam mit Nachbarn.

Man hat bewirkt, dass das ehemalige Straßenland 2012 in eine geschützte Grünfläche umgewidmet wurde. Auf eigene Kosten setzten die Mitglieder ein Beet mit Katzenminze, Kriechrosen und Lilien und kümmern sich seither darum. Friedrichs, die 2000 von Hamburg nach Berlin gezogen ist, gefällt, wie viel man hier selbst gestalten kann. Berlin sei weniger „formatiert“ als Hamburg. Ein besonderes Anliegen ist der Nachbarschaft, an das jüdische Leben im Bayerischen Viertel Anfang des 20. Jahrhunderts und dessen Zerstörung im Nationalsozialismus zu erinnern. Man organisiert Lesungen und Führungen.

Im Eingangsbereich des U-Bahnhofs Bayerischer Platz sind seit diesem Frühling historische Aufnahmen des Platzes und der Bewohner zu sehen. Sie zeigen auch die Grünfläche: Wie Kinder in der Nachkriegszeit dicht an dicht im Brunnen planschen oder wie zwei Frauen mit Sonnenschirmen 1909 auf der Bank sitzen, neben ihnen historische Kinderwagen geparkt. Die Pflege des Beetes funktioniere „auf Zuruf“, sagt Friedrichs, man laufe sich auf dem Bayerischen Platz häufig zufällig über den Weg. Aber jüngeres Publikum und Touristen seien willkommen. Friedrichs ist deshalb in Kontakt mit einem jungen Historiker und möchte gezielt junge Israelis ansprechen, die nach Berlin ziehen.

Diese Woche wird außerdem erstmals ein Sechstklässler der benachbarten Löcknitz-Grundschule durch die Foto-Ausstellung im U-Bahnhof führen. Touristen kämen schon jetzt in Bussen, um das Mahnmal „Orte des Erinnerns in Berlin“ zu besichtigen, sagt Friedrichs. Das Mahnmal erinnert in 80 Tafeln daran, wie in den Anfängen des Nationalsozialismus eine antisemitische Vorschrift nach der anderen die Juden und Jüdinnen aus dem gesellschaftlichen Leben ausschloss. Die Touristen besichtigen die Tafeln, dann fahren sie wieder.

„Wir wollen, dass sie länger bleiben“, sagt Renate Friedrichs. Die gepflegte Grünfläche sei die nötige Visitenkarte dafür. Hauptprobleme sind derzeit für Friedrichs die Kronkorken, Hundekot und Müll hinter den Büschen. 15 Säcke haben die Freiwilligen bei der letzten Aktion im Frühling gesammelt. Diesen Samstag wird wieder der ganze Platz geputzt und Wildwuchs an den Hecken entfernt. Von „Unkraut“ spricht Friedrichs nicht gerne, jede Pflanze sei nützlich am passenden Platz. Ein junger Mann hat seine Hilfe schon angekündigt, erzählt sie, er bringe auch seine Freundin mit. Das Gespräch kam zustande beim Blumengießen.

Aktion am Sonnabend, 14. September, 11 bis 15 Uhr, Bayerischer Platz, Schöneberg. Kontakt Renate Friedrichs 030/85726853 oder friedrichs-rena@t-online.de

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