"Sauberer Löwe" am Bayerischen Platz : Das tat richtig gut

Am Bayerischen Platz hat sich vieles zum Guten gewendet, doch der Aktionstag "Sauberer Löwe" brachte wieder eine Menge Müll an den Tag - und einen herbstfeinen Garten.

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Beim Aktionstag "Sauberer Löwe" am Bayerischen Platz packten Jung und Alt mit an.
Beim Aktionstag "Sauberer Löwe" am Bayerischen Platz packten Jung und Alt mit an.Foto: promo

Renate Friedrichs ist zufrieden: „Die Brüder der Flasche, die hier immer sitzen, haben sich schon irgendwie davon anstecken lassen, dass wir seit Jahren versuchen, den Platz sauber zu halten. Dieses Jahr war es hier gar nicht so schrecklich schmutzig wie im letzten Jahr“,  sagt die Frau vom Verein „Quartier Bayerischer Platz“, die dort für den Aktionstag "Saubere Sache" ein Putzkommando organisiert hat. „Zumindest auf der Wiese um die Löwenskulptur.“ Das Werk des Bildhauers Anton Rückel, 1958 vom Freistaat Bayern der Stadt Berlin gewidmet, thront hoch über der Grünfläche gegenüber vom gerade neu gestalteten U-Bahnhof und nach ihr wurde der Aktionstag hier auch benannt: "Sauberer Löwe".

„Im Gebüsch haben wir aber trotzdem Scherben, Flachmänner und Kippen ohne Ende gefunden“, sagt Friedrichs' Mitstreiterin Juliane Meiffert, 74. Die 86-jährige Waltraud Ziesing hat tatkräftig Kastanienlaub zusammengeharkt  und aufgesammelt – damit die Miniermotten verschwinden. „Das war gar nicht anstrengend, sondern tat mir richtig gut.“ Renate Friedrichs fügt hinzu: „Hier ist es ganz schön schwierig, die alten Blätter unter den Bäumen zu entfernen, dazu muss man ja ins Gebüsch - da ist das Grünflächenamt auf uns angewiesen."

Und haben die trinkenden Mitbürger aus der nordöstlichen Ecke des Platzes nun auch ein bisschen mitgeholfen? „Die haben gesagt, sie hätten einen wichtigen Termin“, erzählt Friedrichs. „Man merkte ihnen aber schon an, dass sie ein schlechtes Gewissen hatten, dass sie nicht mithelfen. Aber eins muss man ihnen lassen: Die passen gut auf das Blumenbeet neben dem Springbrunnen auf, wenn Leute ihre Hunde nicht anleinen.“

Am Freitag wird das neue Bahnhofs-Gebäude mit dem Café Haberland eröffnet. Da soll natürlich auch der Platz einladend sein.
Am Freitag wird das neue Bahnhofs-Gebäude mit dem Café Haberland eröffnet. Da soll natürlich auch der Platz einladend sein.Foto: promo

Überhaupt sei vieles am Bayerischen Platz besser geworden, seit der Verein 2007 gegründet wurde. „Damals gab es viel Leerstand, die Verwahrlosung war groß“, sagt Friedrichs. „Inzwischen hat es der Verein geschafft, dass sich hier viele kleinere Fachgeschäfte angesiedelt haben“, sagt Ingrid Lang, die in der Salzburger Straße den Süßigkeitenladen "Das süße Leben" betreibt und eigens für den Aktionstag eine Aushilfe für ihr Geschäft engagiert hat.

„Und dem Verein ist es auch zu verdanken, dass der U-Bahnhof saniert wurde“, sagt sie. „Er ist mit Entwürfen an die BVG und den Bezirk herangetreten.“ Da passe es doch gut, dass der Platz jetzt kurz vor der Eröffnung des Bahnhofs am 19. September mitsamt neuem Café noch einmal schön aufgeräumt und geputzt wurde. Dann beißt Ingrid Lang in ein Stück Mandelkuchen. Denn zum Schluss der Putzaktion gibt es eine Kaffeetafel. „Es ist schön, wenn man so etwas gemeinsam im Kiez macht. Und nächstes Jahr veranstalten wir hier auf der Wiese ein Kiezpicknick - als Flashmob.“

Zu einer guten Saubermach-Aktion gehört eine gute Ausrüstung.
Zu einer guten Saubermach-Aktion gehört eine gute Ausrüstung.Foto: promo

Kurz nachdem sich Renate Friedrichs' Truppe aufgelöst hat, trifft sich  am nordöstlichen Zipfel des Bayrischen Platzes - außerhalb der Parkanlage - eine andere Gruppe eifriger Schöneberger, um auch diese Ecke noch schöner zu machen. Dort blüht es schon in allen Farben.  Mathilde Stanglmayr hat dort im März auf einer Brache neben dem Fußweg einen Garten angelegt. Dort habe es einen "Pflegenotstand" gegeben, "und ich wollte etwas daran ändern".

Vormittags hat sie schon Kastanienlaub und Müll entfernt, gegen 14 Uhr treffen ihre Helfer ein. Der Garten soll herbstfein gemacht werden, die Tomaten müssen weg. Heckenrosen und Sonnenkraut sollen gepflanzt werden.  "Man glaubt gar nicht, wer alles hier stehen bleibt, um den Garten zu bewundern", sagt Stanglmay. "Neulich hat ein Tourist aus Israel ihn fotografiert und das Bild gleich seiner Frau nach Hause gemailt, um ihr zu zeigen, wie Urban Gardening in  Berlin aussieht." Mario Demant, 27, gräbt mit vollem Armmuskeleinsatz ein tiefes Loch für die Heckenrose, Barbara Müller, 59, ist vom Innsbrucker Platz herüber gekommen und schaufelt frischen Humus in das Loch:„Es ist toll, dass aus einer Müllkippe ein liebevoll gestalteter Platz wird.“

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