Zum Heilsbronnen im Bayerischen Viertel : Warum nicht den Pfarrer selbst finanzieren?

“Zum Heilsbronnen” im Bayerischen Viertel ist eine traditionsbewusste Gemeinde mit starkem Zusammenhalt. Dass das so ist, liegt auch an einer sensationellen Idee, die Pfarrer Wolfgang Barthen vor sieben Jahren hatte.

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Geld ist kein Grund zum Jammern - auch fehlendes nicht. Pfarrer Wolfgang Barthen hat in der Gemeinde Zum Heilsbronnen im Bayerischen Viertel eine Selbsthilfe-Aktion angestoßen, mit der eine Pfarrerstelle auch in Zeiten knapper Kassen finanziert werden soll. Im Bild übrigens eine Kollektenbox, die schon einmal ganz stattlich wirkt.
Geld ist kein Grund zum Jammern - auch fehlendes nicht. Pfarrer Wolfgang Barthen hat in der Gemeinde Zum Heilsbronnen im...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Wo sich heute in der Heilbronner Straße 20 ein mächtiger Kirchturm in den Himmel reckt, grasten vor 120 Jahren Kühe. Auf dem Grundstück der heutigen Kirche soll sich die Kuhtränke der Schöneberger Bauern befunden haben. So steht es in der Kirchenchronik. Dass sich hier die Kühe am Wasser labten, hat auch zur Namensgebung der Kirche “Zum Heilsbronnen” beigetragen. “Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen”, steht in der Bibel in Jesaja 12.

Die Gemeinde “Zum Heilsbronnen” mit 4500 Gemeindegliedern ist eine traditionsbewusste Gemeinschaft mit einem starken Zusammenhalt. Dass das heute so ist, liegt auch an einer sensationellen Idee, die sie hier vor sieben Jahren hatten: Gemeindemitglieder übernehmen eine Patenschaft für den Pfarrer. Man kann Pate für Kinder, Tiere und Bäume werden - warum nicht auch für Pfarrer?

Initiator war der damalige Pfarrer und Schöneberger Superintendent Wolfgang Barthen. Der tatkräftige, begeisternde Mann hatte bereits als Pfarrer in der Wilmersdorfer Auenkirche gezeigt, dass eine Kirchengemeinde ihr Gotteshaus mit eigenen Spenden sanieren kann und nicht auf die Förderung durch die Landeskirche warten muss. Warum nicht auch einen Pfarrer selbst finanzieren?

Wolfgang Barthen rechnet vor: Vor 40 Jahren waren 75 Prozent der Schöneberger evangelisch. Heute sind es noch 18 Prozent. In West-Berlin insgesamt sind es 20 Prozent. Die Kirchensteuereinnahmen sind erheblich gesunken - und werden tendenziell wohl auch weiter schrumpfen. Auch jetzt schon gibt die Gemeinde aus Rücklagen Geld zur Finanzierung der Pfarrstelle dazu. Künftig wird der eigene Anteil immer größer werden.

Wären 500 Menschen bereit, monatlich 10 Euro für einen Pfarrer zu spenden?

Für Wolfgang Barthen ist das kein Grund zu jammern, sondern eine Frage der Perspektive. “Wenn wir uns klein reden und uns nichts mehr zutrauen, werden wir untergehen“, sagt er. Er schlug einen anderen Weg vor: Aufbruch statt Abbruch. Würden 500 Menschen bereit sein, monatlich zehn Euro für einen Pfarrer zu spenden? Dann käme man auf das Gehalt eines Pfarrers im mittleren Alter. Würden sich gar 500 Menschen für zehn Jahre zur monatlichen Zahlung von zehn Euro verpflichten? Dann könnte man sogar für zehn Jahre einen Pfarrer aus eigener Kraft finanzieren. Ein Versuch wäre es wert. Der Gemeindekirchenrat und die damals noch zwei Pfarrer im Heilsbronnen schrieben 2007 einen Brief und fragten die Anwohner im Bayerischen Viertel nach ihrer Bereitschaft.

Sie fragen auch diejenigen, die nicht in der Kirche sind. “Wir glauben, dass auch Nichtmitglieder rund um den Kirchturm dafür sein könnten, dass es hier einen Pfarrer gibt”, stand in dem Brief. “Wir fragen ja auch nicht nach dem Mitgliedsausweis, wenn Sie zu uns kommen.“

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Ich heiße Markus Hesselmann, leite die Online-Redaktion des Tagesspiegels und lebe im Bayerischen Viertel. Mit meinen Kolleginnen und Kollegen schreibe ich über unseren wunderbaren Kiez. Über Historisches, Kulturelles, Aktuelles und besonders gern über bürgerschaftliches Engagement. Und dabei hoffe ich auf Ihre Unterstützung, liebe Leserinnen, liebe Leser. Schicken Sie Ihre Themen-Anregungen und Ihre Kritik an bayerischesviertel@tagesspiegel.de oder kommentieren Sie hier auf der Seite unter den Texten. Ich freue mich auf die Debatten!

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