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von Cay Dobberke tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Charlottenburg-Wilmersdorf,

am kommenden Dienstag jährt sich der islamistische Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche auf dem Breitscheidplatz. Ich rechne mit einem würdigen Gedenken an die zwölf Todesopfer, die vielen Verletzten und die Angehörigen  trotz der berechtigten Kritik am Umgang des deutschen Staates mit den Betroffenenen und mit dem Attentäter Anis Amri vor seiner Tat am 19. Dezember 2016.

Pfarrer Martin Germer von der Gedächtniskirche sagte mir: „Für uns an der Gedächtniskirche hat sich im Laufe dieses Jahres ein intensiver Kontakt zu Muslimen neu ergeben.“ So habe der Vize-Vorsitzende der Neuköllner Begegnungstätte und Dar-as-Salam-Moschee die interreligiöse Friedensandacht angeregt, die im vorigen März auf dem Breitscheidplatz stattfand. Ein Interview mit Germer können Sie am Dienstag im Rahmen von sechs Sonderseiten im gedruckten Tagesspiegel und in unserem E-Paper lesen.

Bereits am Dienstag besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) überraschend drei Händler auf dem Weihnachtsmarkt, die besonders stark vom Anschlag betroffen waren. In Online-Medien stößt dies auf ein geteiltes Echo. Im Tagesspiegel- Forum schreiben einige Leser wörtlich oder sinngemäß: zu spät und zu wenig. Ähnliche Reaktionen erntete Regierungssprecher Steffen Seibert bei Twitter, nachdem er Bilder des Besuchs veröffentlicht hatte.

Berliner sind am 19. Dezember unter anderem zur Mahnwache am neuen Gedenkort auf dem Breitscheidplatz um 14 Uhr, zum ökumenischen Friedensgebet in der Kirche um 18.30 Uhr und zu einer Friedensdemonstration mit Lichterkette ab 18.30 Uhr eingeladen. Mehr dazu können Sie hier lesen.

Unterdessen hat Kurt Beck, der Opferbeauftragte der Bundesregierung, in seinem Abschlussbericht viele Versäumnisse der Behörden kritisiert und Verbesserungen angemahnt. Nötig seien etwa eine zentrale Anlaufstelle für Betroffene und höhere Entschädigungen im Fall des Todes eines Partners, Elternteils oder Kindes. Bisher werden in solchen Härtefällen nur 10.000 Euro ausgezahlt. Die Bundesregierung und Berliner Politiker kündigten an, Becks Vorschläge umzusetzen. tagesspiegel.de

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-c.dobberke@tagesspiegel.de

Cay Dobberkes Tipp für Sie

Deutsch-jüdisches Theater lebt wieder auf. Vor einem Jahr starb überraschend der 70-jährige Dan Lahav, der die deutsch-jüdischen Bühne „Bimah“ gegründet und sie später in „Theater Größenwahn“ umbenannt hatte. Schon kurz nach Lahavs Tod kündigte das Ensemble an, das Theater in seinem Sinne fortführen zu wollen. Unter dem Namen „Deutsch-Jüdisches Theater“ (DJT) ist man nun auch geografisch zu den Wurzeln zurückgekehrt und aus der Meinekestraße ins bezirkseigene Theater Coupé umgezogen, wo alles im Jahr 2001 mit Gastspielen begonnen hatte. Der gemütliche kleine Saal mit angeschlossener Bar liegt im Gebäude des Bürgeramts und der Kommunalen Galerie am Hohenzollerndamm 177.

Jeweils zwei Wochen im Monat wird gespielt. Auf dem Programm steht vor allem, aber nicht nur, Kabarett. Das Ensemble und das Leitungsteam bestehen aus jüdischen, christlichen und muslimischen Kulturbegeisterten. Kein Wunder, denn Lahav war als Verfechter eines toleranten Miteinanders verschiedener Religionen bekannt. Zu den nächsten Aufführungen gehört das Stück „Kabarett Größenwahn  Das verlorene Paradies“ über ein einstiges deutsch-jüdisches Ku’damm-Theater (Freitag, 15. Dezember, und Sonnabend, 16. Dezember um 20 Uhr, Eintritt: 25, ermäßigt 15 Euro). Am Sonntag um 19 Uhr zeigt man „Shabat Shalom“, ein langjähriges Erfolgsstück mit jüdischem Humor, Chansons, traditioneller Musik und alten Geschichten. Die szenische Lesung „Die beste Ehefrau von allen und ICH“ nach Ephraim Kishon folgt am 21.  Dezember ab 20 Uhr. An vier weiteren Terminen im Dezember geht es unter dem Titel „Bay mir bistu sheyn“ um das einstige Gesangsduo „The Barry Sisters“. Eine Silvester-Sonderschau beginnt am 31. Dezember um 19 Uhr. djthe.de