Ärger um Amerika-Reise Berliner Schüler : Schulleiterin verteidigt teure Klassenfahrt nach New York

Kürzlich geriet ein Kreuzberger Gymnasium wegen einer teuren Schülerreise in die Schlagzeilen. Jetzt fliegen die nächsten nach Amerika. Deren Schule wehrt sich gegen einen Vergleich.

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"Gebt mir Eure Müden, Eure Armen...": Die Verlockung New Yorks ist groß, auch für Berliner Schüler und Lehrer. dpa
"Gebt mir Eure Müden, Eure Armen...": Die Verlockung New Yorks ist groß, auch für Berliner Schüler und Lehrer.Foto: dpa

Kaum hat sich die Aufregung über eine 38.000 Euro teure Klassenfahrt nach New York gelegt, da steht schon die nächste, ähnliche Reise an: Diesmal will ein Englisch-Leistungskurs des Wilmersdorfer Goethe-Gymnasiums nach New York fliegen. 1400 Euro soll der Trip pro Schüler kosten. Überzogen? Nach Ansicht der GEW-Vorsitzenden Doreen Siebernik auf jeden Fall.

"Ich finde, das geht zu weit", sagte die Vorsitzende der Lehrergewerkschaft dem Tagesspiegel. "Was hinter einer Klassenfahrt steckt, ist doch: der pädagogische Augenblick, die Gemeinschaft, erste Erfahrung der Selbständigkeit - dafür ist der Ort nicht entscheidend." Das alles könne man auch in Brandenburg erleben. Die Diskussion nach dem Kreuzberger Fall habe ja auch gezeigt, dass die Mehrheit der Gesellschaft der Ansicht sei, dass dort deutlich über die Stränge geschlagen wurde.

Die Bildungsverwaltung verteidigte das Vorgehen des Goethe-Gymnasiums. "Diesen Fall kann man mit dem anderen überhaupt nicht vergleichen", hieß es dazu. "Es handelt sich um eine projektübergreifende Fahrt, die von der Schulkonferenz beschlossen wurde." Die Schulkonferenz besteht aus Eltern- und Lehrervertretern. Die Elternschaft des Goethe-Gymnasiums ist offenbar mehrheitlich in der Lage, den Kindern die Fahrt zu finanzieren. Bei dem aufregenden Kreuzberger Fall stammten sämtliche mitreisenden Kinder aus Hartz-IV-Haushalten, so dass die 38.000 Euro der Klassenfahrt vom Jobcenter und damit vom Steuerzahler bezahlt wurden.

Soll der Steuerzahler diesen Luxus finanzieren? Oder ist es kein Luxus?

Ob das gut oder schlecht ist, darüber lässt sich sehr gut streiten. Sollen nur die fahren, die es sich leisten können? Dann würden die sozial Schwachen ausgeschlossen. Soll der Steuerzahler ärmeren Kindern den Luxus so teurer Schülerreisen finanzieren? Strittig. Die Frage ist eher: Sollte es eine Obergrenze für die Kosten von Klassenfahrten geben? Bisher gibt es eine solche nicht, jedenfalls nicht generell. "Einige Schulen haben sich selbst Obergrenzen gesetzt", sagt Siebernik.

Das Goethe-Gymnasium reagierte am Sonntag. Schulleiterin Gabriele Rupprecht meldete sich in der Redaktion und teilte mit, dass es sich keineswegs um gewöhnliche Klassenfahrten handele. „Vielmehr hat die New York-Fahrt am Goethe-Gymnasium die Auseinandersetzung mit dem jüdischen Leben vor und nach dem Holocaust in Europa und den USA zum Thema“, schrieb Rupprecht am Sonntag, nachdem im Tagesspiegel über die geplante Kursfahrt berichtet worden war.

Bei der Reise werde am Jewish Heritage Museum und mit zwei New Yorker Schulen, darunter einer jüdischen, in Workshops wissenschaftspropädeutisch gearbeitet, schrieb Rupprecht. Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust werde am Goethe-Gymnasium programmatisch gefördert, insbesondere durch die alljährliche Fahrt nach Auschwitz-Birkenau sowie durch weitere Projekte.

Die Schüler präsentierten ihre Ergebnisse sogar im Abgeordnetenhaus

Das Goethe-Gymnasium habe über 40 Prozent Schüler nichtdeutscher Herkunft. Sie engagierten sich nicht nur im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der jüngeren deutschen Geschichte, sondern auch für Flüchtlinge, übernähmen Patenschaften für afrikanische Kinder und setzten sich intensiv mit Antisemitismus und Rassismus auseinander. Die Leistungskursfahrt vertiefe für interessierte Schülerinnen und Schüler ein Jahr vor dem Abitur diese Auseinandersetzung. Die Ergebnisse früherer Fahrten hätten nationales und internationales Interesse geweckt und seien 2013 auch im Abgeordnetenhaus präsentiert worden.

Die Bildungsverwaltung teilte weiter mit, für die Fahrt seien drei Kostenvoranschläge eingeholt und die günstigste Variante gewählt worden. Diese Projektfahrten seien Bestandteil des Schulprogramms.

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