Berlin-Charlottenburg : 25 Jahre Busspur am Ku’damm – einst der Weltuntergang

Unter Buhrufen und Beifall kam vor 25 Jahren die Busspur auf den Ku’damm. Unser Autor Klaus Kurpjuweit erinnert sich.

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V 25 Jahren kam unter Buhrufen und Beifall die Busspur auf dem Ku’damm
V 25 Jahren kam unter Buhrufen und Beifall die Busspur auf dem Ku’dammFoto: Kai-Uwe Heinrich

Wie war das noch ohne? Irgendwie quälten sich alle: Busfahrer, Autofahrer, Taxifahrer, Radfahrer. Bis zum 28. April 1990. Dann kam sie – vor exakt 25 Jahren unter Buhrufen und Beifall: Die Busspur auf dem Ku’damm. Und dann auch noch auf der mittleren Fahrspur! Das war für viele der Weltuntergang, mindestens.

Den Sonderfahrstreifen auf West-Berlins Boulevard hatte der neue Senat aus SPD und Alternativer Liste, deren Nachfolger die Grünen sind, durchgesetzt. Gegen heftigen Widerstand, politisch vertreten von der CDU, die von den Wählern 1989 in die Opposition geschickt worden war. Sogar eine höhere Unfallgefahr durch die Busspur war prophezeit worden. Auch der ADAC und die BVG hatten sich verbündet: Beide waren dagegen, dass Radfahrer dort strampeln durften.

Freie Fahrt für die Busse

Die SPD wollte den Bussen auf dem Kurfürstendamm – und der Tauentzienstraße – den rechten Fahrstreifen geben, wie üblich in der Stadt. Dort wäre dann „nur“ das Parken weggefallen. Die wenigen Busspuren, die es bis dahin gab, hatten aber gezeigt, dass der Sonderstreifen trotzdem häufig zugeparkt war. Zudem behagte es der AL überhaupt nicht, dass man für die Doppeldecker der BVG auch noch Äste, die in die Fahrbahn ragten, hätte absägen müssen. Das ging gar nicht.

Der neue BVG-Doppeldecker rollt durch Berlin
Dürfen wir vorstellen: Das sind die Neuzugänge bei der BVG, vorgestellt wurden sie im Januar 2015.Weitere Bilder anzeigen
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27.03.2015 09:44Dürfen wir vorstellen: Das sind die Neuzugänge bei der BVG, vorgestellt wurden sie im Januar 2015.

Am Ende setzte die AL die Spur in der Mittellage durch. Und die Welt ging doch nicht unter. Im Gegenteil: Schon nachdem die Markierungen angebracht waren, respektierten viele Autofahrer die freie Fahrt für die Busse und mieden den Sonderstreifen, zunächst begrenzt auf ein Jahr. Dann auf Dauer.

Busspur gehört heute dazu

Die CDU zog 1990 mit der Parole in den Wahlkampf, die Busspur auf dem Kurfürstendamm muss weg! Die CDU gewann zwar die Wahl, sicher nicht wegen der Busspur, traute sich dann aber doch nicht, sie ganz abzuschaffen.

Und heute? Die Busspur gehört gefühlt schon immer zum Kurfürstendamm. Ohne geht gar nicht. Schade nur, dass das Netz seit Jahren nicht gewachsen ist.

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