Berlin-Charlottenburg : AG City sagt auch Fest zur Funkausstellung ab

Nach den gescheiterten Fußballpartys auf dem Breitscheidplatz streicht die Arbeitsgemeinschaft City nun auch ihr Fest anlässlich der IFA im September – und streitet mit Veranstaltern der Seniorenwoche.

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Technik, die nicht alle begeistert. Die Musikbühne des IFA-Fests auf dem Breitscheidplatz im vorigen Jahr.
Technik, die nicht alle begeistert. Die Musikbühne des IFA-Fests auf dem Breitscheidplatz im vorigen Jahr.Foto: Jürgen Sendel / Picturebild / Ad Agenda

Erst fielen auf dem Charlottenburger Breitscheidplatz die Fußball-Fanpartys der AG City zum Finale des DFB-Pokals und der Champions League aus. Jetzt sieht sich der Verein der Geschäftsleute schon wieder gezwungen, ein Fest abzusagen. Betroffen ist die sechstägige Veranstaltung „Berlin celebrates IFA – die Trendshow am Kurfürstendamm“, die ab dem 5. September als Begleitprogramm zur Internationalen Funkausstellung geplant war.

Alles nur Werbung?

Nicht alle Bezirkspolitiker bedauern die Absage. 2013 war das Fest unter dem Titel „City West celebrates IFA“ gestartet. Der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Marc Schulte (SPD) kritisierte danach die „Werbeveranstaltung für Samsung“. Infostände, Mitmachaktionen und Reklamen des südkoreanischen Elektronikkonzerns prägten das Bild rund um eine Showbühne.

2014 beteiligten sich zwar ein paar mehr der Hersteller, die zur Funkausstellung auf dem Messegelände am Funkturm gastierten, dennoch hielt sich die Begeisterung in der BVV in Grenzen. Als der bezirkliche Stadtentwicklungsausschuss im vorigen Dezember darüber beriet, ob es rund um die Gedächtniskirche weniger als die jährlich rund 150 Veranstaltungen geben sollte, wurden als Streichkandidaten nicht zuletzt das IFA-Fest und der Ostermarkt genannt.

Die Seniorenwoche hat Vorrang

Anfang dieses Jahres gab Stadtrat Schulte bekannt, der AG City die Genehmigung zu verweigern. „Priorität“ habe die Seniorenwoche des Arbeitskreises Berliner Senioren (ASB), bei der sich viele soziale Institutionen präsentieren. Die Auftaktveranstaltung findet ebenfalls am 5. September auf dem Platz statt, danach geht es andernorts in der Stadt weiter.

Auf Wunsch des BVV-Wirtschaftsausschusses wurden beide Veranstalter aufgefordert, über Kompromisse zu reden. Doch die Verhandlungen über die Aufteilung der Flächen sind gescheitert.

Zu viele Bäume für eine Bühne am Ku'damm

Die Seniorenwoche startet im Norden des Platzes an der Budapester Straße. Teile der Fläche sah aber auch die AG City als unverzichtbar für sich an, im Süden am Ku'damm stünden zu viele Bäume im Weg. Nun gibt es gegenseitige Schuldzuweisungen. Der Arbeitskreis Berliner Senioren habe drei Vorschläge „unkommentiert abgelehnt“, sagt AG-City-Vorstandsmitglied Uwe Timm. Dieser Vorwurf „trifft nicht zu“, entgegnet ein Sprecher des ASB.

Eine Verkürzung des IFA-Fests um den ersten Tag kam für Timm nicht infrage, weil allein die Aufbauarbeiten drei Tage lang gedauert hätten. Das Niveau des IFA-Fests sei gestiegen. „Diesmal wäre es noch besser geworden, wir hatten ein gutes Feedback.“ Nur 2013 habe man wegen später Genehmigungen unter Zeitmangel gelitten.

Der Irrsinn am Breitscheidplatz
Der Breitscheidplatz. Zentraler Festplatz in der City-West. Hier beim Pokalfinale im Jahr 2009.Weitere Bilder anzeigen
1 von 33Foto: Uwe Steinert
28.05.2015 15:48Der Breitscheidplatz. Zentraler Festplatz in der City-West. Hier beim Pokalfinale im Jahr 2009.

Die AG City will vom Ruf der Funkausstellung profitieren

Die PR-Agentur Ad Agenda, die das Fest für die AG City veranstaltet, betont die „enge Kooperation“ mit der Messe Berlin. Aus Sicht von Geschäftsführer Jörg Drischmann stärkt die Vorstellung modernster Technik durch internationale IFA-Aussteller den „innovativen“ Ruf der City West. Ganz Berlin gewinne als Messe-, Wirtschafts- und Tourismusstandort etwas hinzu.

So sieht es auch der Direktor der Funkausstellung, Jens Heithecker: „Die Weltleitmesse IFA stellt für den Bezirk einen sehr wichtigen Wirtschaftsfaktor dar“, durch die Veranstaltung auf dem Breitscheidplatz könne sie „noch präsenter in der Stadt“ sein.

Fußballfans dürfen weiter feiern

Für Fußballfeste will der Bezirk bald mit allen Beteiligten neue Lösungen suchen. Die AG City hatte ihre Fanpartys abgesagt, weil die Polizei rundum einen zwei Meter hohen Sicherheitszaun verlangte.

Fans von Borussia Dortmund und, ein Wochenende später, des FC Barcelona hatten auch so ihren Spaß. Borussia Dortmund fuhr Ende Mai mit einem Fan-Truck als Bühne vor. Alles schien Schwarz-Gelb.

Ende Juli beginnt das Sommerfest

Bei anderen Veranstaltungen hat die AG City keine solchen Probleme. Für den 31. Juli bis zum 16. August ist das Sommerfest „Summer in the City“ angekündigt. Das Oldtimer-Festival „Classic Days“ auf dem Ku'damm soll es künftig jedes Jahr geben.

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