Berlin-Charlottenburg : Beamte in der City West sollen aufs Rad steigen

Statt mit Dienstwagen zu Außenterminen zu fahren, sollen Mitarbeiter des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf öfter in die Pedale treten. Andere Behörden haben sich auch schon Gedanken gemacht.

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Ein E-Fahrrad (Pedelec) im Tagesspiegel-Test.
Ein E-Fahrrad (Pedelec) im Tagesspiegel-Test.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Ein „Konzept für den verstärkten Einsatz von Dienstfahrrädern“ fordert die dortige CDU-Fraktion in einem Antrag für die Bezirksverordnetenversammlung (BVV. Dabei solle auch der Einsatz von Fahrrädern mit elektrischem Hilfsmotor (Pedelecs) geprüft werden.

Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD) zeigte sich auf Nachfrage „offen für ein Pilotprojekt“. Er denkt an Mitarbeiter, die keine langen Wege zurücklegen müssen, wie etwa Sozialarbeiter in einem Kiez. Für ihn komme es dagegen nicht infrage, im Dienst in die Pedale zu treten. Dafür sei „der Bezirk zu groß und mein Terminplan zu eng“. Naumann hat vor vielen Jahren auch mal als Postbote gejobbt und weiß, dass manche Aufgaben am besten per Rad zu erledigen sind. In seinem heutigen Amt nutzt er aber einen Dienstwagen oder, wenn der Chauffeur frei hat, Busse und Bahnen.

Keine Parkplatzsuche, keine Staus – und gesundheitlich empfohlen

Die CDU begründet ihren Antrag mit „teilweise extremen Parksuchzeiten“ durch den Parkplatzmangel und langen Anfahrtzeiten wegen Staus.

Radfahren könne auch ein „wertvoller Beitrag für das betriebliche Gesundheitsmanagement“ sein, sagt Vize-Fraktionschef Karsten Sell, der oft mit einem Elektrofahrrad unterwegs ist und sich als Angestellter einer Krankenkasse mit dem Thema auskennt. Er hält eine Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin für möglich. Ein ähnliches Modell sei in Mannheim erfolgreich, das zu den Partnerstädten der City West gehört.

Viele Beschäftigte des Bezirks sind mit ihren privaten Fahrrädern unterwegs. Ob sie sich Dienstfahrräder wünschen, wurde noch nicht erfragt.

Die BVV will den Antrag am 21. Mai zunächst in die Ausschüsse überweisen.

Im Berliner Südwesten werden Elektrofahrräder erprobt

In Steglitz-Zehlendorf läuft seit April ein Pedelec-Test: 20 Bezirksamtskräfte und 80 Berufspendler aus Firmen machen mit. In Friedrichshain-Kreuzberg wurde der Bürgermeister-Dienstwagen vor Jahren abgeschafft.

Im Abgeordnetenhaus wollte die Piratenfraktion den Anspruch auf einen Dienstwagen gegen Fahrräder und Monatskarten für den öffentlichen Nahverkehr tauschen, was die Innenbehörde wegen „fehlender Regularien“ ablehnte. In Berliner Bundesministerien gibt es nach Angaben aus dem Jahr 2013 nur für jeden 84. Beschäftigten ein Dienstrad.

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