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Berlin-Charlottenburg : Die Ku'dammbühnen retten – nur wie?

Der Senat soll prüfen, wie die alten Säle des Theaters und der Komödie am Kurfürstendamm erhalten werden können. Das beschloss der Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses. Doch selbst die Koalition ist sich nicht einig.

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Die Zukunft des Theaters am Kurfürstendamm und der benachbarten „Komödie“ bleibt ungewiss.
Die Zukunft des Theaters am Kurfürstendamm und der benachbarten „Komödie“ bleibt ungewiss.Foto: Cay Dobberke

Nicht einmal für die Rettung der Ku’damm-Bühnen ziehen die Koalitionspartner SPD und CDU noch an einem Strang. Eigentlich war geplant, dass der Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses am Montag einen gemeinsamen Antrag aller Fraktionen beschließt mit dem Ziel, die traditionsreichen alten Bühnensäle des Theaters und der Komödie am Kurfürstendamm zu erhalten. Der Idee des Investors Cells Bauwelt, beim geplanten Umbau des Ku’damm-Karrees ein neues Theater mit unterirdischem Bühnensaal und einem Foyer darüber zu bauen, sollte eine Absage erteilt werden.

„Zum ersten Mal habe ich gemeinsam mit den Linken argumentiert“

Doch es kam anders. Nur Grüne und Linke forderten den Senat in einem Antrag auf, „die nötigen Voraussetzungen zu schaffen, dass die Bühnen am Kurfürstendamm und deren Spielbetrieb erhalten bleiben und bei der Neugestaltung des Ku’damm-Karrees entsprechend integriert werden“. Außerdem sollten beide Theater unter Denkmalschutz gestellt werden. Die Union teile diese Position, sagte der CDU-Abgeordnete Uwe Lehmann-Brauns dem Tagesspiegel. „Wohl zum ersten Mal in meinem Leben habe ich im Kulturausschuss gemeinsam mit den Linken argumentiert.“ Aber die SPD, kritisierte der Christdemokrat den Koalitionspartner, habe sich von dem gemeinsamen Anliegen offenbar abgesetzt.

Um den Koalitionsfrieden oberflächlich zu wahren, beschlossen SPD und CDU einen eigenen Antrag, wonach der Senat bis zum 10. Juni prüfen soll, wie der „Abriss der traditionellen Bühnen am Kurfürstendamm verhindert werden kann“ und welche Fördermittel das Land Berlin den beiden Boulevardtheatern künftig zukommen lassen könnte. Stefan Schlede (CDU) bekräftigte allerdings seine Einschätzung, dass der 2012 gewährte Zuschuss von jährlich 230 000 Euro nicht ausreichen werde, um eine Ku’damm-typische Miete zu zahlen. „Wohl eher angemessen“ sei eine Fördersumme wie beim Renaissance-Theater, das 2,1 Millionen Euro pro Jahr erhält.

Aus Sicht der Opposition wird das Problem nur aufgeschoben

Die Oppositionsfraktionen, deren Antrag keine Chance mehr hatte, enthielten sich dazu der Stimme. Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) hatte im Ausschuss zuvor erfolglos dafür geworben, mit möglichst großer Mehrheit zu votieren. Die Grünen-Abgeordnete Sabine Bangert kritisierte den Beschluss als „Rückschritt“. SPD und CDU würden per Prüfauftrag das Problem in die Zukunft verschieben. Auch Wolfgang Brauer (Linke) prophezeite: ,„Bis Jahresende wird nichts mehr passieren.“

Cells Bauwelt hat angekündigt, möglichst im Sommer mit dem Umbau des Ku'damm-Karrees zu beginnen. Im Bauabschnitt mit den Theatern soll es allerdings erst Mitte 2017 losgehen.

Zum Thema Denkmalschutz äußerte sich auch Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Die Theater hätten nie einen solchen Schutz genossen, das Landesdenkmalamt habe sich mehrmals damit beschäftigt. Es habe nur eine „Nutzungsbindung“ für den Bühnenbetrieb gegeben.

Sabine Bangert warf dem Senat vor, jene Bindung gegen eine Millionenzahlung des früheren Karree-Eigentümers Rafael Roth aufgegeben zu haben, der den Verkauf plante. 1995 hätten die Ku'damm-Bühnen außerdem auf einer Vorschlagsliste für den Denkmalschutz gestanden, seien dann aber wieder von dieser „verschwunden“, sagte die Grünen-Abgeordnete. Denkmalwürdig seien die Theater nicht nur aus architektonischen Gründen, sondern auch wegen der Theatergeschichte mit dem einstigen Intendanten Max Reinhardt.

Martin Woelffer war diesmal nur als Gast dabei und wunderte sich über die Diskussion, die wohl durch „Parteipolitik“ geprägt sei. Er hatte sich bereits im Februar gegen einen Umzug in ein Kellertheater ausgesprochen.

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