Berlin-Charlottenburg : Neues Café soll letzte Brache am Stuttgarter Platz beleben

Jahrelang verkam das Areal neben dem Bahnhof Charlottenburg, nun wird ein Café gebaut. Und nicht nur dort gibt’s neue Pläne.

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Das kennen wir doch? Im Entwurf sieht das Lokal am Stuttgarter Platz fast genauso aus wie das Parkcafé am Fehrbelliner Platz.
Das kennen wir doch? Im Entwurf sieht das Lokal am Stuttgarter Platz fast genauso aus wie das Parkcafé am Fehrbelliner Platz.Simulation: Schmidt & Partner Planungsbüro

Als Investoren vor 18 Jahren ein 19-stöckiges Hochhaus am S-Bahnhof Charlottenburg planten, kämpfte die Bürgerinitiative Stuttgarter Platz dagegen und konnte das Projekt verhindern. Neue Pläne für die Brache neben dem Bahnhof dürften den Anwohnern besser gefallen: Nun soll ein Café mit 190 Sitzen und bis zu 250 Außenplätzen in einem Garten entstehen. Davon zeugen bereits ein Bagger und Erdaushub.

Die Entwürfe mit einem Pultdach in der Mitte und zwei Flachdächern an den Seiten ähneln stark dem „Parkcafé“ am Fehrbelliner Platz in Wilmersdorf – kein Wunder, schließlich stammen sie von denselben Architekten. Jan Schmidt und sein Sohn Bernd wollen den 17 mal 17 Meter großen Neubau mit viel Glas und Holz gestalten. So soll das Café zur benachbarten Grünanlage am Stuttgarter Platz östlich der Lewishamstraße passen. Die Fertigstellung ist gegen Ende dieses Jahres geplant.

Zum Gastraum werden das Erdgeschoss und eine „Galerieebene“ mit einer Terrasse darüber gehören. Hinzu kommt ein Schankgarten, den die Architekten nicht als Biergarten bezeichnen, um keine Sorgen vor Lärm zu schüren. Musik oder andere Veranstaltungen soll es dort nicht geben. Bauherr ist der private Eigentümer des Grundstücks. Der Name des Cafés steht noch nicht fest. Offen ist auch noch, wer es betreiben wird.

Neben dem S-Bahnhof Charlottenburg hat ein Bagger mit Bauvorbereitungen begonnen.
Neben dem S-Bahnhof Charlottenburg hat ein Bagger mit Bauvorbereitungen begonnen.Foto: Cay Dobberke


Das Rotlichtviertel ist passé, doch der Drogenhandel macht Probleme

Bisher konzentrierte sich die Gastronomie an der gemütlichen Windscheidstraße, während auf der östlichen Seite des Platzes vor allem Geschäfte mit billigem Sortiment das Bild prägen – das erinnert noch die 80er Jahre, als sich Im- und Exportläden am Platz und rundum in der Kantstraße ausgebreitet hatten. Damals galt der Stuttgarter Platz auch noch als Rotlichtviertel, inzwischen haben die meisten Table-Dance-Bars geschlossen.

Ein Problem in der Gegend bleibt der Rauschgifthandel mit harten Drogen wie Heroin, der sich laut Händlern bis in die Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße ausgebreitet hat. Damit keine offene Drogenszene entsteht, ist der Drogenhilfeverein „Fixpunkt“ mit Streetworkern sowie einem Beratungs- und einem Drogenkonsummobil im Einsatz. Unter der Bahnbrücke in der Wilmersdorfer Straße betreibt der Träger einen Spritzenautomaten.

Eine der ersten sichtbaren Verbesserungen am Platz war die vor sechs Jahren eröffnete und 12 000 Quadratmeter große Parkanlage. Anwohner hatten sich lange dafür eingesetzt. Möglich wurde die Begrünung, weil die Deutsche Bahn sie mit 1,5 Millionen Euro finanzierte – als Ausgleichsmaßnahme für Baumfällungen während der Verlagerung des S-Bahnhofs in Richtung Wilmersdorfer Straße.

Kino „Klick“ öffnet wieder

Darüber hinaus eröffnet am Rande des Stuttgarter Platzes, in der Windscheidstraße 19, am Donnerstag wieder das seit 13 Jahren geschlossene Kiezkino „Klick“. Der Berliner Filmverleiher Christos Acrivulis und die PR-Unternehmerin Claudia Rische wollen darin anspruchsvolle, aber auch unterhaltsame Filmkunst zeigen. Der kleine Vorführsaal mit 83 Plätzen gehört inzwischen zum Laden „DaWanda Snuggery“, der seinen Kunden ebenfalls Kaffee und Kuchen serviert.

Endlich Fortschritte beim Café am Lehniner Platz

Der Bau eines anderen Cafés in der westlichen Innenstadt hat sich dagegen immer weiter verzögert. Bereits vor fünf Jahren war der Lehniner Platz gegenüber der Schaubühne neu gestaltet worden, das Bezirksamt hatte damals Gastronomie an der Stelle eines abgerissenen Kiosks angekündigt. Zum Bauherren und Betreiber sollte der vorherige Kioskbetreiber werden, dem aber das Geld ausging. Anwohner beschweren sich oft darüber, wie trist der Lehniner Platz wirkt. Immerhin tut sich nun endlich etwas: Die BVG-Tochterfirma Urbanis will ein Café bauen und verpachten, die Pläne werden am 5. April im Stadtentwicklungsausschuss der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf vorgestellt.

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