Berlin-Grunewald : Investor sendet neue Signale vom Teufelsberg

Lange kam die Entwicklung der einstigen Spionagestation der Amerikaner und Briten nicht voran. Nun hat ein Investor Ideen, die auch dem Senat gefallen.

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Die teils zerfetzten Antennenkuppeln sind der markante, weithin sichtbare Rest der früheren Spionagestation auf dem Teufelsberg.
Die teils zerfetzten Antennenkuppeln sind der markante, weithin sichtbare Rest der früheren Spionagestation auf dem Teufelsberg.Foto: Cay Dobberke

Räume für Künstler, ein Ausflugslokal und ein Spionagemuseum – diese und ähnliche Ideen gab es immer mal wieder für die Ex-Abhörstation auf dem 120 Meter hohen Teufelsberg im Grunewald. Offen blieb aber immer, wer ein Konzept erarbeiten und es umsetzen kann. Diese Rolle will nun Marvin Schütte übernehmen, der die einstige „Field Station Berlin“ des amerikanischen und britischen Militärs seit knapp einem Jahr gepachtet hat. Er sei „jeden Tag selbst hier“, um den weiteren Verfall der Ruinen zu stoppen und einen „natürlichen Kulturort“ zu schaffen, sagt der 37-jährige Projektentwickler. Das sei für ihn ein „Vollzeitjob“.

Staatssekretär Renner will Kultur auf dem Berg

Erstmals stellte Schütte seine Vorhaben im Rahmen einer Führung vor, zu der die Charlottenburg-Wilmersdorfer SPD-Abgeordnetenhauskandidatin Carolina Böhm eingeladen hatte.Mit dabei war Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD), der sich für die Instandsetzung der maroden Gebäude aussprach und „eine neue kulturelle Nutzung begrüßenswert“ fand. Allerdings gebe es „jede Menge komplexer Fragen“, fügte Renner hinzu.

Unsere Slideshow - so sah es am Teufelsberg 1928 aus:

Der Pächter ist der Sohn eines Miteigentümers

Schütte ist der Sohn des Architekten Hanfried Schütte aus Bad Pyrmont, der das 4,7 Hektar große Gelände 1996 zusammen mit weiteren Investoren für 5,2 Millionen D-Mark gekauft hatte. Damals sollten Luxuswohnungen und ein Tagungshotel gebaut werden. Doch dann geschah nichts, offenbar reichte das Geld nicht. 2004 erklärte die Stadtentwicklungsverwaltung die Bergspitze zum Waldgebiet, in dem nicht mehr gebaut werden darf. Daran scheiterten weitere Pläne wie eine „Friedensuniversität“ der esoterischen Maharishi-Stiftung, für die sich US-Regisseur David Lynch eingesetzt hatte.

Von einem langjährigen Pächter hatte sich die Investorengemeinschaft im September vorigen Jahres getrennt. Wegen angeblich ausstehender Zahlungen kam es zur Zwangsräumung, und Marvin Schütte übernahm den Betrieb. Inzwischen gibt es wieder Führungen, mit den Einnahmen daraus werden erste Instandsetzungen finanziert.

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Kalter Krieg auf dem Teufelsberg
Kalter Krieg auf dem Teufelsberg

Hoffnung auf Fördergelder

Streetart-Künstler sind längst schon auf dem Berg aktiv, Graffiti zieren viele Wände. Auch Installationen aus Schrott und Naturmaterialien gibt es auf dem Gelände, das wie eine Mischung aus Abenteuerspielplatz, Müllkippe und der Kulisse eines Endzeitfilms wirkt.

Inzwischen wird viel Abfall in großen Säcken gesammelt. Wegen des fehlenden Anschlusses ans Stromnetz stellte man einen mobilen Solargenerator der Berliner Start-Up-Firma „SunZilla“ auf. Zurzeit ist das Mini-Kraftwerk aber defekt, weil sich Wespen eingenistet und Kabel zerstört haben.

Im Hauptgebäude, das keine Wände mehr hat, können die meisten Etagen begangen werden, als Absturzsicherung wurden Gitter angebracht. Decken, Türen und Fenster sollen folgen, die Finanzierung ist aber noch nicht gesichert. Schütte will Fördermittel beantragen, möglicherweise bei der EU oder der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW-Bank).

Teufelsberg – Pläne und Verfall
Der Teufelsberg im Grunewald, ein 120 Meter hoher Hügel voller Geschichte. Hier ein Blick auf die Stadt, den Wald und den zweiten kleinen Berg, genannt: Drachenberg (99 Meter).Weitere Bilder anzeigen
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18.08.2016 10:40Der Teufelsberg im Grunewald, ein 120 Meter hoher Hügel voller Geschichte. Hier ein Blick auf die Stadt, den Wald und den zweiten...

„Der Verfall ist gestoppt“

„Die Gebäude haben eine grundsolide Substanz“, sagt der Künstler Richard Rabensaat, der auch Führungen leitet und Vorsitzender des Vereins „Initiative Kultur-DENK-MAL Berliner Teufelsberg“ ist. Der Verfall sei gestoppt, nun sei einiges „im Werden“. Beispielsweise wolle man Künstler verschiedenster Genres – von Bildender Kunst bis zu Performances – einladen. Außerdem könne eine Dauerausstellung an den Kalten Krieg, die Abhörstation und die Geschichte des aus Häusertrümmern aufgeschütteten Bergs erinnern. Der Bau eines Cafés ist vorerst nicht absehbar. Als vorläufige Lösung denkt Schütte an einen „Streetfood-Markt“ mit Imbisswagen.

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hatte 2012 gefordert, die Anlage zum Baudenkmal zu erklären. Bis heute hat das Landesdenkmalamt nicht darüber entschieden. Schütte wünscht sich keinen Denkmalschutz, weil es im Hauptgebäude dann „keine Fenster geben dürfte“ – zumindest, falls eine Rekonstruktion verlangt würde. Schließlich hatten die Militärspione den Funkverkehr damaliger Ostblockstaaten in fensterlosen Räumen belauscht. Das erkennt man nur nicht mehr, weil die heutigen Eigentümer für ihre gescheiterten Neubaupläne die Außenwände entfernt hatten.

Zu teuer für den Rückerwerb

Staatssekretär Renner fand, im Wesentlichen hätten das Land Berlin und der Pächter „die gleichen Ziele“. 2014 hatte sich der damalige Stadtentwicklungssenator und jetzige Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) für einen Rückkauf des Geländes ausgesprochen. Auch das Abgeordnetenhaus stimmte zu. Doch die Eigentümer wollten nicht verkaufen – oder nur zu einem hohen Preis. Nach Kenntnis der Abgeordneten Nicole Ludwig (Grüne) und Daniel Buchholz (SPD) werden 15 Millionen Euro verlangt, zudem müsste Berlin eine Grundschuld in Höhe von 35 Millionen Euro übernehmen. Solche „Traumpreise“ seien völlig unrealistisch, machten beide Politiker im Juli bei einer Diskussion deutlich.

Marvin Schütte kündigte an, er wolle seine Ideen „so nicht-kapitalisch wie möglich“ verwirklichen.

Aktionsbündnis fordert weitgehende Begrünung

Zu den schärfsten Kritikern der Eigentümer gehört Hartmut Kenneweg vom „Aktionsbündnis Teufelsberg“. Kenneweg war früher Landesvorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und fordert eine weitgehende „Renaturierung“ mit Ausnahme des Haupthauses. Er hat „kein Vertrauen“ in die „unzuverlässigen“ Grundstückseigner. Und Marvin Schütte gehöre ja zu deren Umfeld. Andererseits gab sich Kenneweg versöhnlich: „Meine Meinung kann sich auch noch ändern.“  

Informationen zu Führungen über den Teufelsberg finden Sie hier: neue.teufelsberg-berlin.eu

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