Berlin-Halensee : Wie ein Postgebäude zum Schandfleck wurde

Das Betonskelett eines alten Postgebäudes soll Halensee nicht mehr lange verschandeln. Doch ein Wohnungsbauprojekt an gleicher Stelle gefällt Anwohnern genauso wenig.

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Wie sieht es denn hier aus? Am Hochmeisterplatz gammelt die Ruine der halb abgerissenen alten Post vor sich hin.
Wie sieht es denn hier aus? Am Hochmeisterplatz gammelt die Ruine der halb abgerissenen alten Post vor sich hin.Foto: Cay Dobberke

Am normalerweise beschaulichen Hochmeisterplatz in Halensee sehe es derzeit aus „wie in Syrien“. So beklagte sich neulich eine Anwohnerin im Stadtentwicklungsausschuss der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf über die Ruine des früheren Postgebäudes. Mehrere Bezirksverordnete und Gäste fanden den Vergleich geschmacklos. Optisch ähnelt der entkernte Gebäuderiegel allerdings durchaus einem kriegszerstörten Haus.

Ende 2015 hatte der Investor Bauwert AG mit dem Abriss begonnen, diesen aber wenig später unterbrochen, weil ein Ersatzstandort für Telekom-Antennen auf dem Dach noch nicht betriebsbereit war. Nun seien die Probleme gelöst und der Abriss solle in zwei Wochen weitergehen, sagten Unternehmensvertreter am Donnerstagabend bei einer Bürgerversammlung. Dazu hatte die Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf in die Hochmeisterkirche eingeladen.

So zeigt die Bauwert AG das geplante Wohngebäude am Hochmeisterplatz auf ihrer Webseite.
So zeigt die Bauwert AG das geplante Wohngebäude am Hochmeisterplatz auf ihrer Webseite.Simulation: Bauwert AG

Anwohner kritisieren geplantes Wohngebäude als „massiven Fremdkörper“

Die Investorenfirma stellte ihre Pläne für einen siebenstöckigen Neubau mit 114 Eigentumswohnungen vor, den sie bis zum Jahr 2019 errichten will. Sowohl bei Anwohnern als auch bei Baupolitikern der SPD, der Grünen, der Linken und der CDU stießen die Entwürfe des Architekten Thomas Albrecht auf einhellige Kritik: Das geplante Wohngebäude sei zu groß und passe nicht zur Umgebung mit dem denkmalgeschützten „Woga-Komplex“ des Architekten Erich Mendelsohn aus den 1920er bis 1930er Jahren, hieß es. Bürger sprachen von einem „Protzbau“ und „massiven Fremdkörper“. Jenny Wieland (Grüne) nannte die Gestaltung eine „Katastrophe“.

Doch das Bezirksamt und die BVV können nicht mehr viel ändern. Nach Auskunft des neuen Baustadtrats Oliver Schruoffeneger (Grüne) genehmigte die Verwaltung das Projekt bereits im Herbst unter seinem Amtsvorgänger Marc Schulte (SPD). Seit wenigen Tagen liegt ein geänderter Bauantrag vor, weil der Investor nun auch eine Lücke zu Nachbarhäusern schließen will.

Der SPD-Baupolitiker Wolfgang Tillinger sagte, dieser bisher nicht genehmigte Antrag biete die letzte Chance, Druck auf den Bauherrn auszuüben, um noch etwas an der Architektur zu ändern.

In einem siebenstöckigen Neubau sollen 114 Eigentumswohnungen entstehen.
In einem siebenstöckigen Neubau sollen 114 Eigentumswohnungen entstehen.Simulation: Bauwert AG

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