Berlin-Schmargendorf : Buchhandlung Starick in neuen Händen

Die Buchhandlung Starick ist in 20 Jahren zur Institution in Schmargendorf geworden. Nun gehen die Gründer in den Ruhestand – doch das Geschäft bleibt.

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Margrit Starick (links) hat ihre Buchhandlung soeben an Sabine Kahl übergeben.
Margrit Starick (links) hat ihre Buchhandlung soeben an Sabine Kahl übergeben.Foto: Cay Dobberke

Es gibt gute Gründe dafür, dass sich zahlreiche Kiezbuchhandlungen in Berlin gegen die Konkurrenz der Online-Versandhäuser und Buchhandelsketten behaupten. Kunden schätzen vor allem die persönliche Beratung. Die Buchhandlung Starick in Schmargendorf hat in den vorigen 20 Jahren aber noch mehr geboten. Zu Lesungen und anderen Veranstaltungen kamen oft prominente Publizisten und Schriftsteller – darunter Günter de Bruyn, Elke Heidenreich, Monika Maron, Sigrid Löffler und Henryk M. Broder.

Anfang Juli haben Margrit Starick (71) und ihr Ehemann Gerhard Gerlach (66) ihre Buchhandlung an der Breiten Straße 35/36 aus Altersgründen an eine Nachfolgerin übergeben. Den Betrieb führt jetzt die gelernte Buchhändlerin Sabine Kahl (57), die lange in leitenden Funktionen für Verlage tätig war. Für Starick und Gerlach gibt es am Mittwoch, 6. Juli, ab 19 Uhr eine Abschiedsfeier, an der auch der Charlottenburg-Wilmersdorfer Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD) teilnimmt.

Unter dem Namen „Schmargendorfer Buchhandlung“ geht es weiter

Sabine Kahl hat das Geschäft in „Schmargendorfer Buchhandlung“ umbenannt, knüpft ansonsten aber an die Tradition an. Sie übernimmt alle vier Mitarbeiter und will den Verkaufsraum sogar vergrößern, um mehr Kinder- und Jugendbücher anzubieten. Es werde auch „mehr Events für Kinder und Jugendliche“ geben, kündigt Kahl an. Denn „das war das erste, was mir Frau Starick ans Herz gelegt hat“.

Der Club der jungen Leser

Geplant sei beispielsweise ein Leseclub. Junge Leute sollen bestimmte Bücher noch vor deren offiziellem Erscheinungstermin als Rezensionsexemplare erhalten. Die Beurteilungen könnten dann online in eine Art Forum gestellt werden, in dem sich interessierte junge Leute austauschen.

Ähnliche Aktionen nach dem Motto „Kunden empfehlen Kunden“ hatte es bisher schon gegeben, allerdings machten dabei hauptsächlich Erwachsene mit. Wie kurz der Draht zur Klientel im Kiez immer schon war, zeigt ein weiteres Beispiel: Während zweier Betriebsausflüge vertraten Stammkunden die Mitarbeiter, berieten Kaufinteressenten und standen an der Kasse.

„Natürlich werden mir die Kunden fehlen“, sagt Margrit Starick. „Es hat Spaß gemacht“, deshalb gehe sie erst jetzt in den Ruhestand.

Dem Ehepaar gehörten zwei weitere Buchhandlungen

Bereits zwei Jahre nach dem Berliner Mauerfall hatte das Gründerpaar die aus DDR-Zeiten stammende Heinrich-Heine-Buchhandlung am Rosenthaler Platz in Mitte übernommen und bis 2011 geführt. Außerdem gehörte den Eheleuten bisher die Gutenberg-Buchhandlung in Eberswalde, die kurioserweise ebenfalls in einer „Breiten Straße“ liegt. Diese Filiale betreute Gerhard Gerlach; auch in der brandenburgischen Stadt geht es unter neuen Betreibern weiter.

Bis 2015 war Margrit Starick sechs Jahre lang ehrenamtliche Landesvorsitzende im Börsenverein des Deutschen Buchhandels, sie teilte sich dieses Amt mit einer Buchhändlerin aus Tegel. Jetzt freut sie sich, mehr Zeit für gemeinsame Reisen mit ihrem Mann zu haben. Außerdem haben die Eheleute nicht nur eine Wohnung in Schöneberg, sondern auch ein kleines Haus in der Uckermark, das sie jetzt häufiger nutzen möchten.

Margrit Starick denkt weiterhin über sich selbst hinaus und erwägt einen „Erfahrungsaustausch“ mit Buchhändlern in Norddeutschland. „Wir helfen auch mal aus.“ Da die Übergabe an Sabine Kahl im besten Einvernehmen erfolgt ist, kann man Starick und Gerlach vielleicht auch künftig gelegentlich im Schmargendorfer Geschäft sehen.

Die Lektüre zahlreicher Bücher war für Margrit Starick immer Job und Hobby zugleich. Im Ruhestand will sie weiterhin viel lesen, aber die Bücher mehr nach ihren persönlichen Vorlieben „bewusst aussuchen“. Es sei auch nicht mehr so wichtig, ob es sich um Neuerscheinungen handelt. „Vielleicht hole ich mir alte Leseexemplare von Sabine Kahl.“

Nach dem Umbau will die Nachfolgerin feiern

Die neue Chefin will am 18. Juli mit dem Umbau der Ladenräume beginnen, überwiegend im laufenden Betrieb. Nur in der ersten Augustwoche bleibt die Schmargendorfer Buchhandlung voraussichtlich geschlossen, weil dann der Fußboden erneuert wird. Anfang September soll alles fertig sein, dann will Sabine Kahl zu ihrer Eröffnungsfeier einladen.

Der Verkaufsraum wird bald von 150 auf 180 Quadratmeter vergrößert, das Sortiment an Kinder- und Jugendbüchern soll damit wachsen.
Der Verkaufsraum wird bald von 150 auf 180 Quadratmeter vergrößert, das Sortiment an Kinder- und Jugendbüchern soll damit wachsen.Foto: Cay Dobberke

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